"Viva o Papa!"
Zehntausende feiern in Fatima Benedikt XVI.
Immer wieder hallte es im Heiligtum: "Viva o Papa!" Mehrere hundert Kinder sangen für den Besucher aus dem Vatikan. "Er ist viel sympathischer, als ich gedacht habe", sagte eine ältere Frau dem portugiesischen Fernsehen.
93. Jahrestag der Marienerscheinung
Fatima ist das Hauptziel des viertägigen Portugal-Besuchs des Pontifex. In der kleinen Gemeinde jährt sich an diesem Donnerstag (13. Mai) die erste Marienerscheinung, die drei Hirtenkinder vor 93 Jahren auf einem freien Feld gehabt haben sollen. Joseph Ratzingers Vorgänger als Kirchenführer hatte das düstere dritte von drei Geheimnissen, die von der Muttergottes an die Kinder weitergegeben worden sein sollen, ganz klar auf sich bezogen: 1981 - ebenfalls am 13. Mai - überlebte Johannes Paul II. wie durch ein Wunder ein Attentat. In Dankbarkeit brachte er der Madonna in Fatima bei seinem dritten Besuch der Wallfahrtsstätte dann die Kugel des Türken Mehmet Ali Agca mit. Sie wurde später in die Krone der Marienstatue eingefügt.
Benedikt gedachte in der Kapelle seines polnischen Vorgängers und bedankte sich für die "unsichtbare Hand", die den Tod von Johannes Paul II. beim Anschlag verhindert habe. In der 2007 eingeweihten Dreifaltigkeitskirche von Fatima, etwa 120 Kilometer nördlich von Lissabon, drückte der Papst danach in einer Ansprache die Hoffnung aus, dass die "Kirche von heiligen Priestern erneuert werden möge". Die Priester rief er auf, bei ihrer Berufung nicht nachzulassen und den "Eingebungen des Bösen" nicht nachzugeben.
An der Feier in der Basilika nahmen rund 6.000 Priester, Ordensleute, Seminaristen und Diakone teil. Vor ihnen richtete der Papst vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals in der Kirche mahnende Worte. "Viele unserer Brüder leben, als ob es kein Jenseits gebe, ohne sich um ihr ewiges Heil zu sorgen." Benedikt forderte die anwesenden Kirchenleute nachdrücklich auf, besonders darauf zu achten, wenn "priesterliche Ideale" beeinträchtigt würden oder wenn jemand Aktivitäten nachgehe, die nicht angemessen seien.
Appell an Künstler und Intellektuelle
Am Vormittag hatte Benedikt in Lissabon Kulturschaffende und Intellektuelle aufgerufen, den auch für die Katholiken wichtigen Dialog mit der Kirche nicht abreißen zu lassen. Außerdem sollten sie Tradition und Geschichte auch in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht über Bord werfen, mahnte er bei einem Treffen mit portugiesischen Künstlern und Wissenschaftlern im Kulturzentrum Belem. Benedikt unterstrich, wie wichtig es sei, den Wert des kulturellen Erbes eines Landes und seiner Geschichte nicht zu vergessen: "Ein Volk, das nicht mehr weiß, was seine eigentliche Wahrheit ist, verliert sich schließlich in dem Labyrinth der Zeit und der Geschichte, ist ohne klare, feste Werte."
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