Nach Brown-Abgang
David Miliband will neuer Labour-Chef werden
Miliband galt seit Jahren als "Kronprinz" der sozialdemokratischen Partei. Er ist der erste Kandidat, der nach Browns Rücktritt am Dienstag seine Ansprüche auf das Amt des Parteivorsitzes anmeldete. Erwartet wird, dass auch sein Bruder Ed - der Ex-Umweltminister - und der ehemalige Bildungsminister und Brown-Vertraute Ed Balls kandidieren werden. Bis Labour im Herbst einen neuen Vorsitzenden wählt, übernimmt Browns bisherige Stellvertreterin Harriet Harman das Amt.
Blair holte Jungspund ins Team
Unter Premierminister Tony Blair nahm er Fahrt auf, unter dessen Nachfolger Brown wurde er britischer Außenminister: Der 44-jährige Oxford-Absolvent David Miliband ist ein Überflieger, wie er im Buche steht. Schon als Miliband vor drei Jahren von Brown ins Außen-Ressort berufen wurde, herrschte die Annahme vor: Dieser Mann hat auch das Zeug, es nach ganz oben zu schaffen. Es war die Schlussfolgerung aus Milibands steiler Karriere.
1994 rief der damals frisch zum Labour-Chef gewählte Blair den nicht mal 30-jährigen Miliband in ein Team, das sein Reformprogramm ausarbeiten sollte. 1997 gewann Blair damit die Parlamentswahl. Bis zum erneuten Labour-Wahlsieg 2001 blieb Miliband Ideengeber in der Downing Street.
Beim Amtsantritt als Außenminister war Miliband 41 Jahre. Er war zunächst ein Befürworter des Irak-Kriegs. Nach der Invasion im März 2003 wurde die Sichtweise des als gewissenhaft und penibel geltenden Politikers jedoch kritischer. "Ich glaube nicht, dass die Ziele schändlich waren, aber es ist offensichtlich, dass die Schlüsselentscheidungen seit der Invasion nicht gut abgewogen wurden", schrieb er in einem Internet-Diskussionsforum des "Independent".
Politisches Engagement liegt in Milibands Familie. Sein Vater Ralph war ein bekannter marxistischer Theoretiker, der 1940 vor den Nationalsozialisten aus Belgien nach Großbritannien floh. David Milibands jüngerer Bruder Ed gehörte zu Browns Beraterstab, bevor er 2005 als Abgeordneter ins Unterhaus einzog. Inzwischen ist er Energie-Minister - und wird ebenfalls als möglicher künftiger Labour-Chef gehandelt.
Spitzname "Gehirn"
Schon seine Ausbildung bereitete den am 15. Juli 1965 in London geborenen David Miliband auf eine große Karriere vor. Nach dem Besuch einer staatlichen Schule studierte er in Oxford und machte einen Abschluss in Politikwissenschaften am renommierten Massachusetts Institute of Technology in Boston. Wegen seines analytischen Verstandes bekam Miliband von Blairs PR-Chef Alastair Campbell den Spitznamen "Gehirn" verliehen.
Auch Milibands Privatleben ist offenbar vorbildlich. Er ist seit 1998 mit Louise Shackleton, einer Konzert-Violinistin des Londoner Sinfonieorchesters, verheiratet. Sie haben zwei Söhne, Isaac und Jacob, adoptiert. Als guter Engländer ist Miliband außerdem Fußball-Fan.
Eine "special relationship" pflegt er zu US-Außenministerin Hillary Clinton. Nach deren Amtsantritt war Miliband Anfang Februar 2009 ihr erster ausländischer Gast. Der Journalist Jonathan van Meter kolportierte im vergangenen November, Clinton habe über Miliband geschwärmt, er sei "lebendig, attraktiv und intelligent". Die Bewunderung scheint ganz beiderseits zu sein. Miliband bescheinigte Clinton "Intellekt und Psychologie", in Vier-Augen-Gesprächen sei sie "sehr angenehm".
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