Fatima-Besuch
Papst in Portugal: Missbrauchsfälle “erschreckend”
Benedikt antwortete im Flugzeug auf Fragen von Journalisten zu den Missbrauchsskandalen vor allem in Irland und Deutschland, die seit Monaten die katholische Kirche schwer belasten. Die Kirche sollte nach Auffassung des Papstes die Gründe für den Missbrauchsskandal bei sich selbst suchen. Sie müsse dringend anerkennen, dass sie Buße und Läuterung brauche und die Opfer sexuellen Missbrauchs um Vergebung bitten müsse. Vergebung könne aber Gerechtigkeit nicht ersetzen.
"Botschaft der Hoffnung" für Portugal
Das Flugzeug des Papstes landete gegen Mittag auf dem Militärflughafen Figo Maduro in Lissabon. Der Pontifex wurde von Portugals Präsident Anibal Cavaco Silva sowie von Ministerpräsident José Sócrates und den Spitzen der portugiesischen Kirche empfangen. Eine "Botschaft der Hoffnung" sei in "diesen Zeiten der Ungewissheit" nötig, sagte Cavaco Silva in seiner Begrüßungsrede in Anspielung auf die schwere Wirtschaftskrise in Portugal.
Der Papst will auf seiner Reise den von Schuldenkrisen und Finanznöten geplagten Europäern Mut zusprechen. Das Kirchenoberhaupt werde über die "Freude des Glaubens und der Hoffnung" als Mittel gegen die wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise gedrückte Stimmung predigen, sagte Carlos Azevedo, Weihbischof von Lissabon und Koordinator des Besuchs. "Die moralischen Werte, an denen sich Wirtschaft und Politik orientieren, zeigen, dass es eine spirituelle Krise gibt", sagte Azevedo. "Europa muss wachgerüttelt werden." Portugal ist das ärmste Land Westeuropas und gilt nach Griechenland als nächster Wackelkandidat in der EU-Verschuldungskrise.
In seiner ersten Rede auf dem Flughafen erwähnte der Papst die in Portugal umstrittene Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes und die jüngst vom Parlament gebilligte Einführung der Homoehe nicht direkt. Er sagte, bei der Beteiligung der Katholiken am öffentlichen Leben gehe es nicht um einen "ethischen Streit zwischen einem weltlichen und einem religiösen System". Danach fuhr Benedikt im Papamobil unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in die Innenstadt. Tausende säumten die Straßen und jubelten dem Besucher zu.
Fatima-Besuch im Mittelpunkt der Reise
Im Mittelpunkt der 15. Auslandsreise von Benedikt steht ein Besuch in Fatima. Der Marienwallfahrtsort etwa 120 Kilometer nördlich von Lissabon zählt neben Lourdes in Frankreich und Santiago de Compostela in Spanien zu den bekanntesten katholischen Pilgerstätten Europas. Dort will der Papst am Donnerstag an den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Marienerscheinung von 1917 teilnehmen. Anlass seiner Reise ist der zehnte Jahrestag der Seligsprechungen von Fatima. Vor zehn Jahren hatte Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. zwei der drei Hirtenkinder seliggesprochen, denen dort 1917 die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Nach Fatima besucht Benedikt zum Abschluss seines Aufenthalts auch die nordportugiesische Stadt Porto.







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