07.09.2019 15:37 |

FPÖ-Wahlkampfstart

Kickl für kabarettreifen Rundumschlag bejubelt

Mit neuer Führungsspitze, aber gewohntem Programm hat die FPÖ am Samstag in Pasching bei Linz ihren Intensivwahlkampf eingeläutet. Parteichef Norbert Hofer beschwor den Zusammenhalt und betonte, zwischen ihn und Ex-Innenminister Herbert Kickl passe kein Blatt: „Wir lassen uns niemanden herausschießen.“ Kickl selbst sah sich als „Staatsfeind Nr. 1“ der „linken Vögel“ im Land und erntete für seinen kabarettreifen Rundumschlag mit ungewohntem Dialekt begeisterten Applaus und „Bravo!“-Rufe.

„Wir sind eine Einheit, diese heißt freiheitliche Familie“, rief Hofer den am Vormittag in der Plus City in Pasching zusammengekommenen blauen Funktionären und Fans zu. Genau diese Einheit beschwor zuvor auch die John Otti Band, die ihr bei FPÖ-Veranstaltungen seit Jahren bewährtes Programm abspulte. Mit Hits wie „Wir sind eine große Familie“, Andreas Gabaliers „Hulapalu“ und der Quasi-Parteihymne „Immer wieder Österreich“ stimmte Sänger Werner Otti die Fans auf das Kommen der Parteigranden ein.

Dass an der Spitze nun nicht mehr der an der Ibiza-Affäre gescheiterte Heinz-Christian Strache steht, sondern eben Hofer, änderte am bekannten Setting der Parteiveranstaltung quasi nichts: Rot-weiß-rote Fahnen wurden geschwenkt, Bier ausgeschenkt und Würstel kredenzt. Einzig das Üben von „HC“-Sprechchören blieb aus.

Der Norbert und der Herbert
„Lieber Norbert, du bist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, ließ dann Oberösterreichs FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner auch gleich keinen Zweifel aufkommen. Gleichzeitig freute er sich aber auch über „unser dynamisches Duo“, das aus „zwei Berts“ bestehe: „dem Norbert und dem Herbert“. Nach der Begrüßung Kickls fiel dann der Applaus auch besonders laut aus.

Rundumschlag gegen die „linken Vögel“
Und der Ex-Innenminister wusste der Basis dann mit scharfen Ansagen zu gefallen: Er spüre „Patriotismus, Heimatliebe und Heimattreue“, und er lasse sich auch von niemandem einen „Maulkorb der Political Correctness“ umhängen. „Dann schnappe ich zu, dann beiße ich und das tut weh“, sagte er unter großem Jubel. Und Kickl machte klar, dass er auf Revanche aus ist: „Rausgeschmissen haben sie mich“, der „Grüne (Bundespräsident Alexander) Van der Bellen“ und der „Ex-Kanzler“ (Sebastian Kurz). Am Wahltag werde die FPÖ aber jene, „die uns unrecht getan haben, mit der Höchststrafe belegen“. Und er machte auch klar, dass er sehr wohl wieder ins Innenministerium einziehen will: „Wenn die glauben, sie werden mich in die Knie zwingen, dann werden sie mich erst kennenlernen.“

Der Rundumschlag traf alle Parteien, die sich derzeit ebenfalls im Wahlkampf befinden - von der „Bobo-SPÖ“, die „das Fleisch gewordene Bonzentum“ sei, und der „Söldnertruppe in Schweinchenrosa“ mit ihrer „hantigen“ Parteichefin Beate Meinl-Reisinger angefangen über „die Pilzköpfe samt ihrem Oberschwammerl“ und den „koalitionsbrünftigen“ Werner Kogler bis hin zu den „türkis aufgebrezelten neuen Schwarzen“, die man „immer an der Hand nehmen und führen“ müsse, „damit sie nicht umfallen oder falsch abbiegen“.

„Aufpassen, dass Kurz nicht bei jeder Gelegenheit umfällt“
Sich selbst sah er als „Staatsfeind Nr. 1“ - „das bin ich für die linken Vögel“. Dabei stehe er nur für den „geraden Weg“: „Da sage ich liebe einmal ,Zack, zack‘ statt Zickzack“, spielte er auf den berühmten Sager von Strache, der dem Wahlauftakt ferngeblieben war, an. Die ÖVP wiederum habe mit der Koalitions-Aufkündigung „Verrat an den Wählern betrieben“ und „Verrat am Koalitionspartner“. Und man müsse aufpassen, dass Kurz nicht bei jeder Gelegenheit umfalle. Denn ein Sebastian Kurz ohne die FPÖ sei wie Popeye ohne seinen Spinat oder Asterix ohne seinen Zaubertrank.

„Wir lassen uns niemanden herausschießen“
Etwas ruhiger wurde es im Publikum, als dann Hofer seine Rede abspulte. „Herbert, ich kann das so gut nachvollziehen“, zeigte der designierte Parteichef großes Verständnis für Kickls Ärger. Denn er habe es im Präsidentschaftswahlkampf ja selbst erleben müssen, wie es ist, wenn sich alle anderen gegen einen „einhängen“. Mediale Spekulationen über Differenzen zwischen ihm und Kickl wischte er vom Tisch: „Es gibt doch keinen größeren Beweis der Freundschaft und der Kameradschaft als dass, wenn einer gezwungen wird, die Regierung zu verlassen, dass dann alle gehen. Denn wir lassen uns niemanden herausschießen.“

Im Anschluss lobte er die in den eineinhalb Jahren Türkis-Blau gesetzten Maßnahmen, die laut seiner Darstellung ohne die FPÖ allesamt nicht möglich gewesen wären. Und er warnte davor, dass dieser Weg jetzt zu Ende sein könnte: Sollten ÖVP und Grüne eine Mehrheit bekommen, werde diese auch in Form einer Koalition kommen: „Wer die ÖVP wählt, bekommt die Grünen auch gleich dazu.“ Und dagegen helfe nur „eine Stimme für die FPÖ“.

„Wir bitten nicht um die Regierung, wir bieten sie an“
Wirklich Stimmung bei Hofers Rede kam dann auf, als er auf das Leib- und Magenthema der FPÖ zu sprechen kam: Es werde eine der wichtigsten Aufgaben für die FPÖ sein, „Österreich vor dem radikalen Islamismus zu schützen“, rief Hofer. „Ich sage es vollkommen klar: Der Islam ist eine anerkannte Glaubensgemeinschaft - die Zeugen Jehovas sind es auch. Aber der Islam ist kein Teil unserer Kultur, kein Teil unserer Geschichte und er wird es auch niemals sein.“ Zum Abschluss betonte Hofer erneut, dass er bereit sei, den Weg mit der ÖVP fortzusetzen. „Aber wir sagen auch eines: Wir bitten nicht um die Regierung, wir bieten sie an. Wir können Opposition sehr gut“, sagte er, bevor die Veranstaltung traditionell mit der Bundeshymne abgeschlossen wurde.

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