Experten überzeugt

Zugunfall mit 19 Verletzten geklärt: Sperre fehlte

Salzburg
30.04.2010 16:30
Nach dem dramatischen Zugunglück am Donnerstag, bei dem bei Mitterberghütten ein Baukran eine vorbeifahrende S-Bahn regelrecht aufgeschlitzt hat, sitzt der Schock tief. Während die schwer verletzte Schülerin aus Saalbach um ihr Leben kämpft, untersuchen die Sachverständigen die Züge aufs Penibelste.

"Unsere Patientin liegt auf der Intensivstation, ist aber nach der einstündigen Operation stabil", hat Primar Dr. Franklin Genelin, Unfallchirurg im Krankenhaus Schwarzach, halbwegs gute Nachrichten. Prognosen wagt er keine, dafür war das Schädel-Hirn-Trauma zu schwer. 

Suche nach der Ursache
Während die 14-Jährige um ihr Leben kämpft und die anderen 18 verletzten Passagiere mit den Bildern des Unfalls fertig werden müssen, arbeiten Sachverständige fieberhaft daran, die folgenschwere Unglücksursache zu finden. 

Was war passiert? Auf einem stillstehenden und nicht besetzten Bauwaggon zwischen Mitterberghütten und St. Johann hatte sich der Arm eines Krans gelöst und schwenkte auf das Gegengleis. Die mit 90 km/h vorbeifahrende S-Bahn wurde praktisch wie mit einem Dosenöffner aufgeschlitzt. "Bis jetzt haben die Experten herausgefunden, dass die so genannte 'mechanische Schwenkbegrenzung' fehlte. Ob das menschliches oder technisches Versagen ist, steht noch nicht fest. Wir schließen aber Sabotage aus", erklärte ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer am Freitag der "Krone".

Bilder kommen immer wieder
Der unter Schock stehende Lokführer und die anderen Verletzten wurden nach dem Unglück vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes betreut. Leiter Ingo Vogl: "Oft stellt sich erst am Tag darauf heraus, dass man die Bilder so eines Unglücks nicht los wird. Wir empfehlen, in diesem Fall Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn das ist ganz normal."

von Melanie Hutter, Kronen Zeitung

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