Schuldenkrise

Was die Griechen-Pleite jetzt für Österreich bedeutet

Österreich
29.04.2010 17:54
In der Schuldenkrise um Griechenland überschlagen sich die Ereignisse. Das Land mit der "Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau" bettelt lauter denn je um die Aktivierung des Rettungspakets der Euro-Länder, Banken in ganz Europa zittern um ihre Investments, die Euro-Länder erkennen, dass ihre Not-Kredite nicht ausreichen werden - und langsam fragen sich auch die EU-Bürger, wann die Causa auch auf sie selbst Auswirkungen zeigen wird...

Die Herabstufung der griechischen Kreditwürdigkeit auf einen De-facto-Unwürdigkeitsstatus hat in Österreich am Mittwoch bei Politik und der Bankenwirtschaft die Alarmglocken schrillen lassen. Im Finanzministerium wurde am Nachmittag zu einem Beratungsgipfel zusammengetrommelt.

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Während im Athen-skeptischen Deutschland die Regierung massiven Druck auf Griechenland ausübt und innenpolitisch aufgefordert wird, Banken mit Investments in Griechenland zur Mithilfe zu zwingen, hat Finanzminister Josef Pröll nach einem Treffen mit Bankvorständen und Nationalbank-Chef Ewald Nowotny eine "Allianz zwischen Wirtschaft und Politik" ausgerufen. Die Krise sei "eine Belastungsprobe für den Euro" und eine "Bewährungsprobe für Europa". 

Um einen "Dominoeffekt" zu verhindern, müsse Griechenland nun jedoch "kraftvoll, energisch und gemeinsam geholfen werden", meinte der Finanzminister und sagte im selben Atemzug zu, dass Österreich mitziehen würde, wenn das Rettungspaket vergrößert wird. 

Staatskredite jetzt bis zu zwei Milliarden Euro
"Wenn die Summe größer wird, wird sich auch unser Anteil erhöhen", sagte Pröll nach dem Treffen mit den Bankern. Nach derzeitigen Vereinbarungen sollte der österreichische Anteil an den Hilfsmaßnahmen bis zu 858 Millionen Euro betragen. Österreich habe für eine eventuelle Erhöhung des Hilfsprogramms aber bis zu zwei Milliarden Euro Kreditvolumina im Rahmen, sagte Pröll. Auch SPÖ-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder betonte, dass die Hilfsmaßnahmen im europäischen Gleichklang erfolgen müssten. Österreich sei bereit und jederzeit in der Lage, die notwendigen Hilfen zu leisten, versicherte er.

Die Republik bekommt aufgrund ihres AAA-Ratings z. B. Zwei-Jahres-Kredite für ein Prozent Zinsen. Griechenland muss für die EU-Kredite fünf Prozent Zinsen zahlen, was theoretisch als Geschäft zu bezeichnen wäre. Es gibt allerdings Zweifel, dass Athen es schafft, die Kredite dann auch tatsächlich zu bedienen. Auf dem freien Markt müsste Griechenland derzeit fast 20 Prozent Zinsen zahlen.

Pröll forderte am Mittwoch aber auch umfangreiche Zugeständnisse der Griechen. "Wir werden die Gelder bereitstellen, wenn alle Euro-Länder in den Topf einzahlen und wenn die Griechen ihren Beitrag erfüllen", kündigte der Finanzminister an. Derzeit habe die EU 30 Milliarden Euro für ein Jahr in Aussicht gestellt, weiter 15 Milliarden Euro der IWF, erinnerte Pröll. Am Mittwoch meinte der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, dass Griechenland 2011 und 2012 wahrscheinlich noch einmal je 45 Milliarden brauchen würde.

Banken hängen mit viereinhalb Milliarden Euro drin
Wenn die Euro-Ländern Griechenland Kredite gewähren, wird Athen das Geld in erster Linie dazu benützen, seine Schulden abzustottern und Zinsen zu bezahlen. Diese hat das Land vor allem bei Banken. Bei österreichischen Instituten sind dies rund 4,5 Milliarden Euro. Wenn Griechenland am 19. Mai rund neun Milliarden an Staatsanleihen zurückzahlen muss - dafür muss Athen natürlich wiederum Kredite aufnehmen -, wartet zum Beispiel die Raffeisenbank NÖ/Wien auf 250 Millionen Euro. Das Vierfache hat die Erste Bank in Griechenland investiert: 700 Millionen in griechische Staatsanleihen, 300 Millionen in griechische Banken. Bei der RZB waren zuletzt knapp 300 Millionen, bei den Volksbanken 187 Millionen und bei der Bawag 90 Millionen Euro offen. Geheim hält die Bank Austria ihren Anteil. Zusätzlich haben heimische Versicherungen Griechenland-Papiere gekauft, deren Volumen ebenfalls nicht bekannt ist.

Außer in Griechenland sind heimische Banken natürlich auch in den anderen "angeschlagenen" Euro-Ländern engagiert. Laut letzter Statistik vom Herbst waren es rund 30 Milliarden Euro, wovon die Hälfte auf das derzeit als stabil eingestufte Italien entfiel. Spanien und Irland machten je 6,8 Milliarden, Portugal 1,8 Milliarden Euro aus.

Notenbank-Gouverneur Nowotny sieht aber keine Notwendigkeit, dass die österreichischen Banken einen Teil der griechischen Schulden nachlassen. Eine Umstrukturierung der Kredite sei aus Sicht der Notenbank nicht notwendig. Die größten Gläubiger Griechenlands sind übrigens französische (56,4 Milliarden Euro), Schweizer (48 Milliarden) und deutsche Banken (32 Milliarden).

Was passiert, wenn der Euro weich wird?
Weniger das Geld der Banken als die Sorge um den massiv unter Druck stehenden Euro beschäftigt indes die EU-Bürger. Auch in Österreich wächst die Sorge um die Zukunft des Euro: Bleibt er stabil, wird er zur Weichwährung, zerbricht er gar? 

Wirtschaftsforscher Marcus Scheiblecker vom Wifo sieht es gelassen: "Die Bürger würden von einer Kursänderung kaum etwas merken." Denn "je größer ein Wirtschafts- und Währungsraum ist, desto irrelevanter ist der Kurs einer Währung für die Konsumenten und Urlauber. Man kauft weiter ein und fährt nach Griechenland, Italien oder Spanien auf Urlaub und zahlt mit Euro." 

Nur bei importierten Waren wie Öl oder Gas würde der Preis steigen. Dafür hätte die Industrie bessere Exportchancen, was auch mehr Jobs bedeuten könnte. Ohnehin ist für Scheiblecker der Euro aktuell überbewertet: "Vor acht Jahren war er 90 US-Cent wert. Da haben Experten gesagt, das hält die EU-Wirtschaft nicht aus, wenn der Euro auf das Niveau des Dollars steigt. Und jetzt ist der Euro 1,32 Dollar wert." Theoretisch könnte ein Kursverfall des Euro eine erhöhte Inflation nach sich ziehen, aber "diese Gefahr ist in der jetzigen Konjunktursituation unrealistisch".

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