08.08.2019 11:44 |

Auch Telefonsex dabei

Microsoft-Personal hört private Skype-Gespräche an

Aufzeichnungen von Anrufen mit dem Microsoft-Dienst Skype, bei denen die automatische Übersetzungsfunktion genutzt wurde, können offenbar nachträglich auch von Mitarbeitern angehört werden. Microsoft bestätigte die Praxis und räumte ein, dass auch Anfragen an den Sprachassistenten Cortana von Mitarbeitern angehört werden können.

Bei den Gesprächen könne es auch um sehr private Themen - sogar Telefonsex soll dabei gewesen sein - gehen, wie die IT-Website „Motherboard“ berichtete. Laut Microsoft diene diese Praxis der Verbesserung von auf Spracherkennung basierenden Angeboten. Voraussetzung für eine Auswertung der Sprachdateien sei aber eine Zustimmung der Nutzer. Microsoft setze bei dem Thema auf „Transparenz“ und Datenschutz.

Gespräche über Beziehungsprobleme angehört
Auf von einem Dienstleister weitergegebenen Mitschnitten hätten Leute zum Beispiel über Beziehungsprobleme oder Gewichtsverlust gesprochen, schrieb „Motherboard“. In den Skype-Nutzungsbedingungen wurde bisher nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch Menschen Aufnahmen aus der Übersetzungsfunktion zu hören bekommen könnten - auch wenn einige Formulierungen dies andeuteten. So heißt es, dass „Sätze und automatische Abschriften analysiert werden“ und eventuelle Korrekturen ins System eingetragen würden.

Identität bleibt laut Microsoft geheim
Microsoft betonte auch, dass die Identität der Gesprächsteilnehmer dabei weggelassen werde. Nur Gespräche mit der Übersetzungsfunktion würden aufgezeichnet. Der zu Microsoft gehörende Internettelefonie-Dienst bietet die automatische Übersetzung von Gesprächen fast in Echtzeit seit 2015 an. Inzwischen ist sie bei Anrufen für acht Sprachen verfügbar. „Skype Translator basiert auf einem maschinellen Lernprozess“, heißt es auf einer Webseite zu dem Thema. Ein Link zu „Datenschutz bei Verwendung von Skype Translator“ führte am Mittwoch zu einem Bereich, der nur für Microsoft-Mitarbeiter und -Partner zugänglich ist.

Auch Cortana-Sprachbefehle ausgewertet
Wie Microsoft bestätigt hat, hören sich Dienstleister zum Teil auch Mitschnitte von Sprachbefehlen an Microsofts Assistenzsoftware Cortana an. In den vergangenen Monaten waren die Microsoft-Konkurrenten Amazon, Apple und Google unter massive Kritik geraten, weil sie Nutzer nicht auf diese Praxis hinwiesen. Inzwischen setzten Google und Apple die Auswertung von Aufzeichnungen zur Verbesserung ihrer Sprachassistenten aus. Amazon bietet Nutzern die Möglichkeit, der Verwendung von Mitschnitten zu widersprechen. Apple kündigte an, Nutzer künftig ausdrücklich um Zustimmung dazu zu bitten.

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