Hätten die Priester einst einen Amtsbonus genossen, so sei es heute ein Malus. Innsbrucks Bischof Manfred Scheuer sprach beim Bildungstag von Diözese und Theologischer Fakultät von einem Spannungsfeld zwischen Überhöhung und Dämonisierung des Amtes. Und er betonte die Wichtigkeit von Wertschätzung für priesterliche Dienste: "Die Leute wollen einen Pfarrer im Ort und vertreten gleichzeitig die Position, dass Priester ein Auslaufmodell sind."
Beim Blick auf die Zahlen drängt sich diese Meinung auf. 180 aktive Pfarrer gibt es noch in der Diözese, Durchschnittsalter 63 Jahre. "In den nächsten Jahren stehen etliche Pensionierungen an. 2015 rechnen wir mit 70 bis 80 noch aktiven Priestern", wirft Generalvikar Jakob Bürgler einen Blick in die Zukunft. Dem stehen lediglich 14 Priester-Seminaristen in Tirol und Vorarlberg gegenüber. Damit das kirchliche Leben in den Pfarren nicht zum Erliegen kommt, werden derzeit Seelsorgeräume gebildet. Mehrere Pfarren arbeiten zusammen, Laien und Ehrenamtliche übernehmen viele Aufgaben.
Dass die aktuellen Missbrauchsvorwürfe dem Ansehen des Amtes zusätzlich schaden, darüber waren sich gestern alle einig. Kurt Koch, Bischof von Basel, sprach von einem Karfreitag der Kirche. Die Veranstaltung sei, so der Dekan der Theologischen Fakultät, Jozef Niewiadomski, ein Kontrapunkt zur derzeit sehr einseitigen Wahrnehmung.
von Claudia Thurner, Tiroler Krone
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