27.07.2019 17:56 |

Das nächste Drama

Bis zu 200 Migranten vor libyscher Küste ertrunken

Bei dem jüngsten Bootsdrama vor der Küste Libyens könnten nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond bis zu 200 Migranten ums Leben gekommen sein. Bisher seien 67 Leichen aus dem Mittelmeer geborgen worden und 138 Menschen würden noch vermisst, hieß es am Samstag. Es wäre das schwerste Bootsunglück im Mittelmeer im laufenden Jahr. 

Das Unglück hatte sich etwa fünf Kilometer vor der libyschen Küste ereignet. Osama al-Fadhili, Leiter des Roten Halbmonds in der Hafenstadt Al-Khums (Khoms), sagt der dpa, dass 360 Menschen an Bord eines Boots gewesen seien, das während der Überfahrt nach Europa in zwei Teile zerbrochen sei. 160 der Insassen seien gerettet worden. Die genaue Zahl der Todesopfer lasse sich womöglich erst feststellen, wenn verbleibende Leichen an die Küste gespült worden seien.

Über die Zahl der Vermissten herrschten widersprüchliche Angaben. Der libyschen Küstenwache zufolge wurden nach dem Unglück 115 Migranten vermisst, die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) sprachen von rund 150 Vermissten. Laut libyscher Küstenwache waren 250 Menschen an Bord.

UNO fordert Fortsetzung der Seenotrettung
Angesichts der jüngsten Flüchtlingskatastrophe sind Forderungen nach einer Wiederaufnahme staatlicher Seenotrettung lauter geworden. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das UNO-Kinderhilfswerk Unicef riefen darüber hinaus dazu auf, die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden.

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi bezeichnete den jüngsten Fall als die „schlimmste Mittelmeertragödie dieses Jahres“. Bereits in einer ersten Reaktion auf das Unglück am Donnerstag hatte er zudem eine „Wiederaufnahme der Seenotrettung“, ein Ende der „Inhaftierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen“ und sichere Fluchtrouten aus Libyen gefordert. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte auf Twitter „sichere und legale Routen für Migranten und Flüchtlinge“.

„Kampf gegen Schlepper“
Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini betonte die „eindeutige Verpflichtung“ der EU, den „Kampf gegen Schlepper“ und die „Kapazitäten der libyschen Küstenwache“ zu verstärken. Die libyschen Behörden forderte sie zu einer Beendigung der „willkürlichen Gefangennahme von Migranten“ auf. Die Einführung von Mechanismen zur „verbesserten Behandlung der von der libyschen Küstenwache Geretteten“, sei dringend nötig.

Italiens Innenminister Matteo Salvini verweigerte derweil einem Schiff der eigenen Küstenwache mit 135 Migranten an Bord in Italien anzulegen. Zunächst müsse die EU die Verteilung der Migranten koordinieren; vorher werde kein Hafen geöffnet.

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