14.07.2019 07:00

Krankenhäuser in OÖ:

Verbale und körperliche Gewalt im Spital steigt an

Mitte der Woche attackierte ein Patient einen Arzt mit einem Messer in einem Wiener Spital. Die „Krone“ hörte sich in oberösterreichischen Krankenhäusern um, ob und wie sich diese gegen Gewalt wappnen. Denn eines kommt beim Rundruf zu Tage: „Rund 80 Prozent des Pflegepersonals und 17 Prozent der Ärzte erleben verbale und oft auch körperliche Gewalt“, sagt Jutta Oberweger, Sprecherin der OÖ Gesundheitsholding.

Unmutsäußerungen über Wartezeiten, Beschimpfungen, rempeln, zwicken, stoßen und sogar - wie im jüngsten Fall - eine Messerattacke: Gewalt ist in den Krankenhäusern angekommen. „Tendenz steigend“, sagt Karin Krempl, Stationsleiterin im Salzkammergut Klinikum. Das Problem ist aber eigentlich nicht neu.

Arge Attacke schon vor 15 Jahren
Bereits im Februar 2004 durchschnitt auf der Intensivstation des Krankenhauses Barmherzige Brüder ein Patient nach seiner Bauspeicheldrüsen-OP Schläuche - und einer Krankenschwester Luft- und Speiseröhre. Seither trägt jeder Mitarbeiter dieses Linzer Krankenhauses mobile Notfallpiepser, per Knopfdruck werden Kollegen oder Polizei alarmiert. Aus dem Linzer Kepler-Klinikum heißt es: Die Gewaltbereitschaft von Patienten steigt! Seit 1. Juli gibt es Mitarbeiter aus der Pflege, die nur für Deeskalationsmaßnahmen zuständig sind. In der Nacht patrouilliert ein Wachdienst.

Teufelskreis Konflikt
Wie geht man mit Konflikten oder Gewalt um, damit kein Teufelskreis entsteht? „Deeskalationstrainings werden auf alle unsere Spitäler ausgerollt“, heißt es aus der OÖ Gesundheitsholding. Im Vorjahr wurden 213 Fälle - verbale und körperliche Gewalt - allein im Salzkammergut Klinikum mit den Standorten Bad Ischl, Gmunden und Vöcklabruck dokumentiert. Tendenz steigend. „Es gehört nicht zu unserem Beruf, Übergriffe hinzunehmen. Zu wissen, wie wir reagieren können, hilft oft Ereignisse zu mildern oder zu verhindern“, sagt Karin Krempl, Stationsleiterin und Deeskalationstrainerin im Salzkammergut Klinikum, in dem das Pilotprojekt „Gewaltfreies Klinikum“ erfolgreich durchgeführt wird. Ein Deeskalationstraining, das alle Mitarbeiter absolvieren können, ist heute Teil des Deeskalationsmanagements, zu dem auch Sicherheitsvorkehrungen wie „Bedrängnis-Alarm“ gehören.

Übrigens: Auch für Hausärzte ist Gewalt ein Thema. „Es gibt Stadtteile, die man in der Nacht nicht gern anfährt“, sagt Dieter Mojzischek, Allgemeinmediziner mit einer Praxis in Linz. Er hörte sich unter niedergelassenen Ärzten in Linz um: „Das Sicherheitsgefühl im normalen Praxisalltag ist hoch, aber bei Notdiensten in der Nacht haben wir das Thema Gewalt immer stärker. Es gibt Stadtteile, meist sozial ärmere, die niemand gerne alleine anfährt. Die Unsicherheit steigt schon, wenn die Hausgänge eng und verwinkelt sind, die Beleuchtung schlecht.“ Er wünscht sich als Fortbildungsangebot Kurse für Deeskalation und Selbstverteidigung, speziell für Ärzte und ihre Praxismitarbeiter.

Elisabeth Rathenböck, Lisa Stockhammer, Jürgen Pachner/Kronen Zeitung

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