Schon zu Beginn kommt erste Verwunderung auf: Oberschurke Kane bietet der Führung GDIs eine Zusammenarbeit an. Warum diese ihrem Erzfeind dann auch prompt und blind vertraut, bleibt zuerst einmal schleierhaft. Aber sei's drum - später ändert sich dann sowieso wieder alles. Sodann geht es auch schon ab in die ersten Missionen, wovon das Tutorial in den ersten drei Aufträgen abgehandelt wird.
Und dieses benötigen selbst langgediente "Command and Conquer"-Veteranen, denn in Teil vier ist (fast) nichts so, wie es bisher war. Der Basenbau entfällt nämlich komplett und auch das Sammeln von Rohstoffen ist nicht mehr nötig. Stattdessen startet der Spieler jeden Einsatz mit einem von drei unterschiedlichen Crawlern, die seine spätere Taktik nicht unerheblich beeinflussen. Diese fungieren dann im Spiel als Truppen-Fabriken.
Offensiv, defensiv und unterstützend
Neben einem Offensiv-Crawler gibt es die mobile Produktionshalle auch noch in der Defensiv- und Unterstützungs-Ausführung. Jede davon stellt natürlich unterschiedliche Einheiten her und lässt den Spieler auch auf zusätzliche Spezialfähigkeiten zurückgreifen. Der Offensiv-Typ etwa baut die stärksten Panzerfahrzeuge, während die Defensiv-Klasse auch Bunker und Verteidigungstürme in die Landschaft pflanzt. Entscheidet sich der Spieler hingegen für die Unterstützungs-Variante, so wird seine Armee vornehmlich aus Flugzeugen bestehen. Übrigens kann auch in den Missionen zwischen den unterschiedlichen Crawlern gewechselt werden, dazu muss der Spieler den zuerst gewählten einfach wieder abreißen.
Anstatt der Rohstoffe bestimmen Kommandopunkte die Anzahl der Einheiten. Der Gamer hat dabei eine bestimmte Menge an Punkten zur Verfügung, von denen jede im Einsatz stehende Einheit unterschiedlich viele kostet - schwere Einheiten dabei natürlich mehr, leichte weniger. Wird ein Fahrzeug vernichtet, bekommt der Spieler die Punkte wieder gutgeschrieben und kann dafür Nachschub herstellen.
Die Bandbreite der verschiedenen Truppenkörper ist dabei recht groß ausgefallen und jedes einzelne Mitglied der Armee glänzt mit Stärken und hat mit Schwächen zu kämpfen. So sind manche etwa besonders stark im Einsatz gegen Infanterie, haben aber gegen Panzer keine Chance. Unangenehm aufgefallen in den Gefechten sind trotz dieses sinnvollen Stärke-Schwäche-Systems leider immer wieder KI-Probleme: Einheiten verlaufen sich, bleiben hängen oder behindern sich gegenseitig. Warum es das 15 Jahre nach dem ersten Teil immer noch geben muss, bleibt irgendwie rätselhaft.
Rollenspiel-ähnliches Erfahrungssystem
Eine weitere Neuerung sind die Erfahrungspunkte, die der Spieler für erfolgreich absolvierte Missionen erhält. Mit diesen steigt er Stück für Stück bis zu Level 20 auf und schaltet am Weg dorthin immer wieder neue Einheiten und Spezialfähigkeiten so wie Verbesserungen für seine Truppen frei. Erforderlich zum kassieren der Erfahrung ist allerdings die ständige Online-Anbindung, auf die auch EA seit kurzem aus Kopierschutzzwecken setzt. Reißt diese ab, so gibt es für den Einsatz keine Punkte.
Verknüpft sind die verschiedenen Missionen der Einzelspieler-Kampagne mit etwas billig wirkenden Film-Zwischensequenzen (Serienkenner kommt das bestimmt bekannt vor), die die etwas undurchsichtige Story vorantreiben sollen. Dabei kommt leider selten Stimmung auf, meist starrt der Gamer auf einen tristen Kommandoraum, in dem die Charaktere über das Geschehen quatschen. Die In-Game-Grafik verdient leider auch nicht mehr als das Prädikat "Durchschnitt" und die ungenügenden Zoom-Möglichkeiten der Kamera lassen zudem jedweden Überblick vermissen – man ist einfach immer viel zu nah am Geschehen dran.
Fazit: Das Ende der "Command and Conquer"-Saga hinterlässt einen etwas schalen Beigeschmack. Zwar bietet das neue Crawler-System actionreiche Gefechte ab der ersten Minute, die dank recht ordentlichem Schwierigkeitsgrad durchaus zu gefallen wissen. Andererseits wird der strategische Anspruch durch den Wegfall des Basis-Baus und der Rohstoffe doch etwas heruntergeschraubt. Besonders alten Fans dürfte das sauer aufstoßen. Zudem hätten für das Serienfinale die Grafik etwas fetter und die Zwischensequenzen opulenter ausfallen dürfen. Ein guter Ansatz hingegen ist das Rollenspiel-ähnliche Aufstiegssystem, das zu motivieren weiß.
Plattform: PC
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 6/10
von Stefan Taferner
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