Vor Wahlen in GB
Lebhafte TV-Diskussion der Premier-Kandidaten
Vor allem Brown und Cameron gerieten immer wieder verbal aneinander. Während der Regierungschef "Wohlstand für alle" versprach, sprach Cameron von "Wandel", Clegg von "ausgleichender Gerechtigkeit". Brown musste sich Vorwürfe der beiden Oppositionspolitiker zur 13-jährigen Regierungszeit von Labour anhören, versuchte aber mit Fachkenntnis zu punkten. So rechnete er unter anderem Cameron vor, dass dessen Pläne für Bildungsfinanzierung nicht aufgehen.
Brown gilt als eher steif und hatte selber zugegeben, bei öffentlichen Auftritten oft schüchtern zu sein. Am Donnerstagabend allerdings wirkte er ruhig und locker. Er war mit 59 Jahren der Älteste auf dem Podium. Die beide 43 Jahre alten Konkurrenten Cameron und Clegg gelten als deutlich besser vor der Kamera. Vor allem Cameron war bemüht, auch einige Witze in seine Rede miteinzuflechten.
Alle wichtigen Themen angesprochen
Nach einem angespannten Start entwickelte sich schnell eine lebhafte Diskussion. Die Fragen aus dem Publikum, denen sich die drei Kandidaten stellen mussten, drehten sich von Bildung über Gesundheit bis zur Verschuldung des Landes um alle wichtigen innenpolitischen Themen des Wahlkampfes. Die Fragesteller waren repräsentativ ausgewählt worden: Ein Schüler löcherte die Kandidaten zur Zukunft der Schulen, eine Krankenschwester fragte nach dem Gesundheitssystem. Ein Soldat wollte wissen, wie es mit der Ausstattung der Armee und dem Einsatz in Afghanistan weitergeht.
Während Brown und Cameron versuchten, die Pläne des jeweils anderen als unrealistisch und ungeeignet darzustellen, setzte Clegg auf seine Rolle als Außenseiter. Die kleineren Liberaldemokraten könnten bei der Wahl zum "Königsmacher" werden, falls weder Labour noch die Tories eine absolute Mehrheit schaffen. Seine Partei sei eine echte Alternative, betonte er immer wieder: "Sie dachten vielleicht, alle Politiker sind gleich. Ich hoffe, ich habe Ihnen gezeigt, dass das nicht so ist."
Einer Blitzumfrage des Fernsehsenders ITV zufolge ging Clegg mit 55 Prozent Unterstützung als Gewinner aus der Debatte hervor. Brown und Cameron kamen demnach auf jeweils rund 30 Prozent. In einer Befragung der Agentur YouGov nannten 51 Prozent der Befragten Clegg als Sieger, der konservative Oppositionsführer David Cameron kam auf 29 Prozent, Amtsinhaber Gordon Brown nur auf 19 Prozent.
Nach ITV sollen Sky News (am 22. April) und BBC (am 29. April) die nächsten beiden Wahl-Sendungen zu den Themen Außenpolitik und Wirtschaft ausrichten, für die mehr als 70 Regeln festgesetzt wurden. So dürfen die 200 Zuschauer weder buhen noch klatschen. Rund 65 Prozent der Briten wollten sich die TV-Debatten anschauen.
Tories in Umfragen knapp vor Labour
Umfragen zufolge liegen Camerons Tories noch vor Labour, allerdings mit deutlich geringerem Abstand als noch vor Wochen. Cleggs Liberaldemokraten kommen auf 20 Prozent, sind aber wegen des britischen Mehrheitswahlrechts deutlich gegenüber den beiden Großparteien benachteiligt. Die britischen Parlamentswahlen finden am 6. Mai statt.
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