Flucht aus Kirgistan

Gestürzter Bakijew soll seinen Rücktritt erklärt haben

Ausland
15.04.2010 19:52
In Kirgistan ist nach Angaben der Übergangsregierung eine Woche nach dem Volksaufstand gegen Präsident Kurmanbek Bakijew der Machtwechsel nachträglich legalisiert worden. Der gestürzte Staatschef habe seine Rücktrittserklärung unterzeichnet, erklärte Regierungsmitglied Toptschubek Turgunalijew. Der amtierende Vorsitzende der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der kasachische Außenminister Kanat Saudabajew, sagte, Bakikew habe Kirgistan bereits verlassen.

Turgunalijew teilte mit, US-Präsident Barack Obama, der russische Präsident Dmitri Medwedew und der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew hätten an einer Vereinbarung mitgewirkt, die Bakijews Ausreise ermöglicht habe. Bakijew sei von seiner Frau und seinen beiden Kindern begleitet worden. Die Ausreise des gestürzten Präsidenten sei ein "wichtiger Schritt zu Stabilisierung der Situation, zur Rückkehr von Frieden und Rechtsstaatlichkeit und zur Vermeidung eines Bürgerkriegs".

Mit Militärmaschine Land verlassen
Nach Angaben der kirgisischen Agentur Akipress bestieg Bakijew am frühen Abend ein kleines Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 in Dschalal-Abad. Er landete wenig später zunächst in der kasachischen Stadt Taras, um dann weiter in die Hauptstadt Astana zu fliegen, wie russische Agenturen meldeten. Am Mittwochabend hatte Bakijew den russischen Regierungschef Wladimir Putin angerufen. Moskau lehnte es ab, dem gestürzten Präsidenten Asyl zu gewähren. Putin hat Bakijew schwere Fehler vorgeworfen.

Schüsse bei Kundgebung
Zuvor waren bei der Kundgebung Bakijews in der Stadt Osch vor etwa 2.000 Anhängern Schüsse gefallen. Zum selben Zeitpunkt hat nur einige hundert Meter entfernt eine Veranstaltung von Unterstützern der Interimsregierung stattgefunden. Bakijew suchte in einem Theater Deckung und wurde schließlich in einem Geländewagen in Sicherheit gebracht.

Die Übergangsregierung in Bischkek hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass sie keine Festnahme Bakijews mehr anstrebe. Auch seine Immunität sei entgegen früheren Angaben weiter in Kraft. "Nach den weiter geltenden Gesetzen haben wir doch kein Recht, ihn festzunehmen", sagte Regierungssprecher Edil Baissalow nach Beratungen mit westlichen Sondergesandten. Zuvor hatte die Regierung unter Rosa Otunbajewa erklärt, dass Bakijew festgenommen und vor ein Gericht gestellt werden soll.

Am Mittwoch hatte Russland angekündigt, die Interimsregierung mit insgesamt rund 37 Millionen Euro unterstützen zu wollen. Auch die USA hatten nach dem Besuch Blakes in Kirgistan Unterstützung für die Übergangsregierung signalisiert.

84 Tote bei schweren Randalen
Bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften in der Hauptstadt Bischkek waren in der vergangenen Woche 84 Menschen getötet worden. Bakijew war nach den Unruhen in den Süden des Landes geflohen, wo er weiterhin breite Unterstützung der Bevölkerung genießt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
15.04.2010 19:52
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung