28.06.2019 06:23 |

Doch kein Mörder

81-Jähriger nach 43 Jahren Haft wieder frei

Nach 43 Jahren hat die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat North Carolina die Vorwürfe gegen einen wegen Mordes verurteilten Mann fallengelassen. Die Akte in dem Mordfall von 1976 sei geschlossen worden, teilte das Washingtoner Informationszentrum für Todesstrafen (DPIC) am Mittwoch mit. Bereits seit Mai befindet sich der 81-jährige Charles Ray Finch auf freiem Fuß.

Finch hatte stets bestritten, den Mord an einem Ladeninhaber begangen zu haben. 1976 hatte ihn ein Gericht zum Tode verurteilt, später wurde das Strafmaß in lebenslange Haft umgewandelt.

Zeugen von der Polizei manipuliert
Im Mai ordnete die Staatsanwaltschaft die Freilassung des Afroamerikaners an, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Polizei während der Ermittlungen 1976 Zeugen manipuliert hatte. Finch, der inzwischen im Rollstuhl sitzt, lebt wieder bei seiner Familie.

Bereits 2002 hatten Jusstudenten die Ermittlungsakten zu dem Fall überprüft. Dabei stießen sie auf Fehler in der Polizeiarbeit, die Zweifel an der rechtmäßigen Verurteilung Finchs auslösten. Die Studenten fanden etwa heraus, dass Polizisten beim Schmauchspur-Bericht gelogen und Zeugen bei der Gegenüberstellung mit Verdächtigen bewusst auf eine falsche Spur gebracht hatten.

Verfahren wird nicht wieder augenommen
Vor dem Hintergrund dieser Manipulationen hob ein Berufungsgericht das Urteil gegen Finch im Jänner auf. Im Juni entschied die Staatsanwaltschaft, mangels noch vorhandener Zeugen das Verfahren nicht wieder aufzunehmen.

Finchs nachträgliche Entlastung verdeutliche, dass das US-Justizsystem „fortwährend“ daran scheitere, „Unschuldige in Prozessen, in denen die Todesstrafe verhängt wird, zu schützen“, erklärte DPIC-Direktor Robert Dunham. Dies betreffe insbesondere schwarze Gefangene.

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