Griechen-Kredite

Bis zu 858 Millionen Euro würden aus Österreich kommen

Ausland
12.04.2010 12:54
Die Finanzminister der Euro-Länder haben sich am Sonntag in einer Telefonkonferenz auf 30 Milliarden Euro als Volumen für ein etwaiges Nothilfe-Kredit-Paket an das fast bankrotte Griechenland geeinigt. Österreich würde gemäß dieser Einigung bis zu 858 Millionen Euro beisteuern müssen. Bei den österreichischen Banken steht Griechenland bereits mit 4,5 Milliarden Euro in der Kreide.

Die 15 Euro-Länder - das 16., Griechenland, bekommt ja die Hilfe - müssen entsprechend ihrem Anteil an der Europäischen Zentralbank zu dem Paket beitragen. Deutschland wäre mit umgerechnet 8,376 Milliarden Euro klarer Spitzenreiter bei der Griechenland-Hilfe, was auch erklärt, warum Angela Merkels Regierung auf einer scharfen Kontrolle Griechenlands bei Aktivierung des "Notfallmechanismus" besteht.

Das bilaterale Kreditprogramm soll über drei Jahre laufen und mit fünf Prozent verzinst werden. Athen zahlt auf den Märkten derzeit etwa 7,5 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen, würde sich also 2,5 Punkte sparen.

Was die Quoten betrifft, ist zu berücksichtigen, dass diese nicht nach dem Anteil an allen 27 EU-Staaten berechnet werden, sondern nur auf die 15 Euro-Staaten ohne Griechenland heruntergebrochen werden. Demnach hat Deutschland mit 27,92 Prozent oder eben 8,376 Milliarden Euro den größten Brocken zu tragen, Österreich käme auf 2,86 Prozent oder 858 Millionen Euro.

Währungsfonds soll bis zu 15 Milliarden drauflegen
Die Euro-Finanzminister betonen, dass es sich bei der Griechenland-Hilfe nicht um Geldgeschenke an Athen handle. Die Staaten selbst bezahlen nichts, sondern werden eben Kredite laut dem vorgegebenen Anteil vergeben und dafür Zinsen und Haftungsentgelte erhalten. Neben dem Geld seitens der Euro-Zone sollen auch IWF-Darlehen tragend werden, wobei die genaue Höhe noch nicht feststeht. Experten rechnen mit zusätzlich 15 Milliarden durch den Internationalen Währungsfonds. 

Griechenland bei Österreichs Banken mit 4,5 Mrd. € verschuldet
Im Vergleich zu dem Betrag, den der griechische Staat und die dortigen Banken den österreichischen Kreditinstituten schulden, ist der rot-weiß-rote 858-Millionen-Euro-Kredit aber noch recht gering. Denn bei den heimischen Häusern steht das Land mit rund 4,5 Milliarden Euro in der Kreide. Das geht aus den aktuellsten verfügbaren Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor. Diese Daten umfassen allerdings noch nicht griechische Emissionen der jüngsten Monate, die europäische Institute wieder gezeichnet haben.

Größte Gläubiger Griechenlands sind in der Statistik mit rund 75 Milliarden Dollar die französischen Finanzinstitute, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Schweizer Banken sind laut BIZ mit 64 Milliarden Dollar ebenfalls stark exponiert.

Laut Informationen von Analysten beträgt das Griechenland-"Exposure" der Erste Group etwa eine Milliarde Euro. Die RZB-Gruppe bezifferte ihre Außenstände auf etwas weniger als 300 Millionen Euro. Die Volksbank meldet 187 Millionen Euro, die BAWAG PSK 90 Millionen Euro. Die Bank Austria machte keine Angaben. 

Euro erholt sich und steigt auf 1,3691 Dollar
Nach Bekanntwerden des EU-Kreditpakets für die Griechen erholte sich der Kurs des Euro am Montag unterdessen deutlich. Die europäische Gemeinschaftswährung erreichte den höchsten Stand seit dem 18. März. In der Spitze stieg der Euro im frühen Handel bis auf 1,3691 US-Dollar. Vor dem Wochenende hatte der Euro noch unter der Marke von 1,35 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,3384 (Donnerstag: 1,3296) Dollar festgesetzt. Um 22 Uhr am Freitag notierte die europäische Gemeinschaftswährung in New York bei 1,3469 Dollar.

Nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi garantiert das Notfall-Paket die Stabilität des Euro. Die Einigung habe in Europa das verhindert, was in den USA durch die Lehman-Pleite passiert sei, sagte Bini Smaghi der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Montagausgabe). "Der Euro gründet auf dem Prinzip, dass derjenige, der Fehler macht, für die Folgen aufkommt und seinen Kurs ändern muss. Wir haben Griechenland geholfen, das zu tun, und das garantiert die Stabilität der Währung." Ohne die Einigung hätten andere Länder und Institutionen von der Krise angesteckt werden können, sagte er.

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