Teilbedingte Haft

Zusteller veruntreut Pakete im Wert von 5.350 Euro

Tirol
10.04.2010 11:50
Ohne Verteidiger marschierte ein ehemaliger Post-Zusteller bei Gericht auf. Ein Fehler. Denn angesichts dieser Beweislage hätte ihm wohl jeder Anwalt zum Geständnis geraten: zuzugeben, dass doch er zwölf Zigaretten-Sendungen im Wert von 5.350 € veruntreut hat, anstatt patzig den Steher zu mimen. Teilbedingte Haft!

Der Leiter der Post-Zustellbasis Hall schilderte Richterin Helga Moser plausibel, wie man den Angeklagten überführte: "Es gab auf seiner Tour im August 2008 immer mehr Beschwerden von Adressaten, dass ihre Pakete verschwanden. Wir beobachteten den Angeklagten daraufhin. Er täuschte nur vor, seine Pakete einzuscannen. Vielfach scannte er die Pakete gleich wieder aus", bestätigte der Zeuge.

Der Angeklagte hatte offenbar vor dem Prozess bereits zwei Mal gestanden, die zwölf Pakete mit Zigaretten veruntreut zu haben: Vor den Post-Mitarbeitern am Arbeitsplatz und bei der Polizei hatte er zugegeben, dass ein "dunkler Typ" an ihn herangetreten sei, dem er die Pakete „verkauft“ habe. Erst mehr als drei Monate später habe er sich nach angeblicher Rücksprache mit einem Anwalt entschlossen, sein Geständnis zu widerrufen. Zudem war bei der Hausdurchsuchung bei ihm ein abgezweigtes, bereits aufgerissenes Paket gefunden worden.

Statt zu gestehen, beraubte er sich des wichtigsten Milderungsgrundes. Und schnauzte den Staatsanwalt an: "Passen Sie ja auf, i lass' mir nix unterstellen!" Die Post-Mitarbeiter, die ihn befragt hatten, bezichtigte der Angeklagte gar der Freiheitsberaubung. Nicht rechtskräftiges Urteil: fünf Monate bedingt plus 720 € Geldstrafe. "Wer zum Geständnis gezwungen wurde, widerruft nach drei Tagen, nicht nach drei Monaten", so die Richterin.

von Hans Licha, Tiroler Krone

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