Weitere Unruhen
Kirgistans Exil-Präsident fordert Verhandlungen
"Was braucht es noch für Bakijews Rücktritt, nachdem mehr als tausend Menschen im Zuge des Umsturzes verletzt und 76 getötet wurden?", fragte Otunbajewa. Zuvor hatte Bakijew nach der blutigen Machtübernahme der Opposition seinen Gegnern Verhandlungen angeboten. "Ich setze mich gerne mit der Opposition an den Verhandlungstisch", sagte Bakijew, der in die Stadt Dschalal-Abad im Süden des Landes geflüchtet war, am Freitag in einem Interview.
Zugleich bekräftigte er, dass er weiter im Amt bleiben wolle. "Ich habe keine Pläne, das Land zu verlassen und werde nicht als Präsident zurücktreten", sagte Bakijew, der 2005 putschartig an die Macht gekommen war. Der 60-Jährige gilt allerdings wegen fehlender internationaler Unterstützung als isoliert. Eine mögliche Beteiligung an dem Umsturz aus dem Ausland hielt Bakijew für unwahrscheinlich. "Ich glaube nicht, dass Russland oder die USA in diese Ereignisse verwickelt sind", sagte er.
Präsident Bakijew drängt zurück an die Macht
Bakijew drängt nach Einschätzung der Übergangsregierung zurück an die Macht. Im Süden des Landes versuchten die Anhänger Bakijews alles, ihn wieder an der Spitze des Staates zu bringen, sagte Otunbajewa. Die Übergangsregierung in Bischkek bemühte sich indes, die Lage im Land unter Kontrolle zu bringen. Beobachter bezeichneten die Lage am Freitag als "leicht instabil". In der Nacht auf Freitag wurden bei neuen Gewaltexzessen Dutzende Menschen verletzt. Die EU schickte einen Sonderbeauftragten in die Hauptstadt Bischkek. Er soll eng mit den Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zusammenarbeiten.
In Bischkek gedachten unterdessen rund 1.000 Menschen der 76 getöteten Protestteilnehmer, die bei den Unruhen der vergangenen Tage ums Leben gekommen waren. In ganz Kirgistan gilt von Freitag an eine zweitägige Staatstrauer. Die ersten Opfer sollten am Nachmittag beerdigt werden.
Der zuletzt für die nationale Sicherheit im Land verantwortliche Bruder des Präsidenten, Schanysch Bakijew, wird wegen Mordes per Haftbefehl gesucht. Die Staatsanwaltschaft in Kirgistan macht ihn für das Blutbad während des Volksaufstandes verantwortlich.
Übergangsregierung will Abzug der US-Truppen
Die Übergangsregierung Kirgistans sucht unterdessen den Beistand Russlands und erwägt die frühzeitige Schließung des für die NATO in Afghanistan wichtigen US-Luftwaffenstützpunkts Manas. Die neuen Machthaber dankten Russland am Donnerstag für dessen Rolle beim Sturz von Präsident Bakijew und erklärten Moskau zum wichtigsten strategischen Partner. Russland erkannte die neue Regierung um die bisherige Oppositionsführerin Otunbajewa im Gegensatz zu den USA umgehend an und sagte Unterstützung zu. Almasbek Atambajew, Vizechef der Interimsregierung, reiste am Freitag nach Moskau, um von Russland Wirtschaftshilfe zu erbitten.
"Russland hat seine eigene Rolle beim Sturz Bakijews gespielt", sagte Omurbek Tekebajew, ein Vertreter der Übergangsregierung, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Freude Russlands über dessen Entmachtung sei offensichtlich gewesen. Die Laufzeit des Pachtvertrags für den US-Stützpunkt Manas werde nun wohl gekürzt.
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