Anabolika-Prozess

Vor Gerichtssaal: Imster Muskelprotz flüchtet vor Presse

Tirol
30.03.2010 18:37
Jahrelang hat ein Imster (33) in der Tiroler Anabolika-Szene die Zügel in der Hand. Die Justiz konnte dem Muskelprotz, der selbst Bodybuilder und Türsteher ist, die Weitergabe an vier Einheimische nachweisen. Menge: 1.500 Einheiten. Der Berufungssenat am Landesgericht verdreifachte zweitinstanzlich seine Geldstrafe.

Mit verschränkten Armen, schwarzem Gewand und kantigem Gesicht harrte der Oberländer Muskelprotz am Dienstag ganz in Türsteher-Manier auf die Berufungsverhandlung am Innsbrucker Landesgericht. Man möchte meinen, nichts könnte einen solchen "Koloss" erschüttern. Doch da reichte das Auftreten eines Presse-Fotografen. 

Fluchtartig stürmte der Angeklagte über die Treppe und ward nicht mehr gesehen. "Meinem Mandanten wurde schlecht, deshalb kann er der Verhandlung leider nicht beiwohnen", begründete der Tiroler Verteidiger Othmar Schimana die Abwesenheit des 33-Jährigen vor dem Berufungssenatsvorsitzenden Karl-Heinz Nagele.

Der Bodybuilder wurde vom Bezirksgericht Imst zu einer Geldstrafe von 1.080 Euro verurteilt. Die Weitergabe von Anabolika verstößt in Österreich nämlich gegen das Arzneimittelgesetz und das Anti-Doping-Gesetz. Vier Tiroler Adressaten standen auf der Liste des Imsters und wurden regelmäßig mit Anabolika versorgt. Der Stoff wurde von einem Wiener Großdealer geliefert, der vor einiger Zeit selbst verhaftet wurde.

Nur durch den Umstand, dass der Beschuldigte bei der Weitergabe keinen finanziellen Gewinn machte, wurde keine Gewerbsmäßigkeit angenommen. Somit zog die Justiz ein weitaus geringerer Strafrahmen heran.

Doch der Berufungssenat entschied gegen den mehrfach vorbestraften Beklagten: Die Geldstrafe wurde auf 3.240 Euro verdreifacht.

von Matthias Holzmann, Tiroler Krone

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