Mi, 26. Juni 2019
19.05.2019 08:00

Gewalt und Drohungen:

Anzeigen in Schulen haben um 22 Prozent zugenommen

Die Messer- und Scheren-Attacken in Linz von zwei 17- und 12-jährigen Schülern, bei denen Lehrer und Klassenkameraden bedroht wurden, rütteln auf. Objektive Zahlen zeigen, dass das nicht nur Einzelfälle sind: In Oberösterreich rückt die Polizei 200-mal pro Jahr in Klassenzimmer aus, es gibt um 22 Prozent mehr Anzeigen.

Im Vorjahr gab es - bundesweit - 2323 Anzeigen wegen Körperverletzungen am „Tatort Schule“. „Eine Steigerung von 22,3 Prozent in zwei Jahren“, sagt der Vorsitzende der Pflichtschulgewerkschaft Paul Kimberger (FCG) und fordert im Interview (siehe unten), gegen „Problemschüler“ rascher vorzugehen.

Immer weniger Zeit für Unterricht
Und dass mehr Personal für Sozialarbeit und psychologischer Hilfe bereitgestellt wird. Denn Lehrer würden sich beschweren, dass immer mehr Zeit in den Klassen dafür verwendet werden muss, die Kinder soweit zu bringen, dass Unterricht überhaupt möglich ist und die Zeit, Inhalte zu vermitteln, immer weniger wird.

Interdisziplinäre Teams gefordert
Der bisher letzte Vorfall in der Europaschule in Linz, der Übungs-Volksschule der Pädagogischen Hochschule, wurde durch einen zwölfjährigen Sonderschüler, der einen Lehrer mit einer Schere bedrohte, ausgelöst. Rektor Herbert Gimpl wünscht sich, dass Lehrer im Umgang mit bekannten Problemschülern Entlastung durch Psychologen erhalten: „Es stünde uns gut an, über interdisziplinäre Teams nachzudenken.“

Bereits auffällig
Auch jener 17-Jährige, der eine Klassenkameradin würgte und dann mit einem Messer aus der Küchenzeile in der Sonderschule „Am Teistlergut“ in Linz-Urfahr bedrohte, war wegen seiner Aggressionen bekannt.

Sonderschule oder Regelunterricht
Es scheiden sich die Geister, ob solcheJugendlichen in Sonderklassen zusammengefasst oder in Regelschulen - Stichwort „Inklusion“ - gehen sollen. Kimberger sagt, dass es Grenzen der Inklusion gibt, wenn die Mehrheit der unproblematischen Schüler leidet. 

„Schneller und schärfer reagieren“
Fast täglich geraten Gewalttaten an Schulen in die Schlagzeilen. Paul Kimberger von der Lehrergewerkschaft fordert schnelle Reaktionen.

„Krone“: Zuerst der Fall in Wien-Ottakring, nun zwei Messer- und Scheren-Drohungen in Linzer Schulen. Ist das eine zufällige Häufung?
Paul Kimberger:
Natürlich sind es Extremfälle, aber da kommt jetzt eine Entwicklung an die Oberfläche, die wir in den Schulen schon geraume Zeit beobachten.

„Krone“: Alle reden jetzt vom Gegensteuern.Auch die Lehrergewerkschaft. Gibt’s auch konkrete Vorschläge, was man tun könnte?
Kimberger:
Erstens muss man verdeutlichen, dass es bei Gewalt null Toleranz gibt. Bei den Konsequenzen muss man zwischen Pflichtschulen und Bildungseinrichtungen nach der Schulpflicht unterscheiden. In höheren Schulen nach der Schulpflicht muss es Möglichkeiten geben, raschere Ausschlüsse von der Schule zu vollziehen. In den Pflichtschulen sollte die Schule über eine Suspendierung entscheiden können. Das würde präventiv wirken.

„Krone“: Sind auch Time-Out-Klassen ein Thema?
Kimberger:
Die haben sich international bewährt. Wir müssen die Mehrheit der Schüler, die sich ordentlich benimmt und lernen will, von jenen Schülern, die einen Unterricht unmöglich machen oder gefährlich sind, schützen.

„Krone“: Was fordern Sie noch?
Kimberger:
Mehr Gewalt-Prävention schon im Vorschulalter und in Familien.

Interview: Markus Schütz, Kronen Zeitung

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