01.05.2019 06:00 |

Dienst feiert Jubiläum

Freiwillige nehmen Tirols Wasser unter die Lupe

Der Hydrographische Dienst des Landes feiert 125-Jahr-Jubiläum. Seine Daten sind entscheidend für Hochwasserprognosen, Trinkwasserversorgung, Bauvorhaben. Viele der 1000 Messstellen werden von Freiwilligen betreut. Anton Zimmermann aus Axams ist seit 35 Jahren dabei. Wenn’s regnet oder schneit, rückt er aus.

8 Uhr, Sommerzeit. Anton Zimmermann steht im Garten und schüttet Regenwasser von einem Metallbehälter in ein Messglas mit Millimeterangaben. Eine Arbeit, die der pensionierte Geografie-Professor an jedem Regentag verrichtet – seit 1984. Damals wurde er gefragt, ob er für den Hydrografischen Dienst des Landes eine Niederschlagsmessstelle betreuen kann. Heute ist Zimmermann einer von 188 Freiwilligen, die Daten für die so wichtige Landeseinrichtung sammeln. „Das Interesse für diese Materie war immer da. Ich habe selbst eine Dissertation über ein meteorologisches Thema verfasst“, erklärt der 73-jährige Axamer, warum er das Ehrenamt übernommen hat. Dass Axams als Messstandort ausgesucht wurde, hat auch mit der Murenkatastrophe 1983 tun. Diese hat Zimmermann im Dorfbuch ebenso dokumentiert wie außergewöhnliche Messdaten, die er über Jahrzehnte gesammelt hat.

Winter mit Rekord
Der Axamer erstattet nicht nur dem Hydrographischen Dienst regelmäßig Bericht, sondern erstellt auch für sich Zeitreihen. Für heuer kann er bereits einen Rekord vermelden: „Im Jänner hatten wir durch den starken Schneefall 76 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Das ist der bislang höchste Wert. Der Durchschnitt liegt bei 35 Liter.“

Verlässlichkeit wichtig
Genauigkeit ist ein Muss für die freiwilligen Helfer. Und Verlässlichkeit! „Wenn ich mal nicht da bin, rückt meine Schwester aus – oder meine Tochter“, nennt der Ehrenamtliche seine wichtigsten Mitarbeiterinnen. Alle Daten werden akribisch dokumentiert. Zimmermann zeigt ein Formular. Für Außenstehende wirken die Zahlen und Symbole im ersten Moment verwirrend, doch die Bedeutung erschließt sich sehr schnell. „Auch in Zeiten von vollautomatischen Messstellen ist die Arbeit der Freiwilligen unverzichtbar“, betont der Leiter der Dienststelle, Klaus Niedertscheider. Er erklärt, wozu die Messungen dienen: „Unsere Daten sind Basis für viele Entscheidungen. Jeder Häuslbauer kann auf sie zurückgreifen, um zu wissen, wie tief er einen Keller graben darf. Wir liefern Basiswerte für Beschneiungsanlagen, Kraftwerksbauten, Quellenerschließungen.“

Vorhersage für Hochwasserschutz
Eine wichtige Aufgabe ist auch der Hochwasserschutz, für den der Hydrographische Dienst entscheidende Informationen liefert. Niedertscheider: „Für das gesamte Einzugsgebiet des Inns, des Lechs, der Großache und der Drau gibt es Prognose-Modelle, die wir mit Daten versorgen. So lässt sich vorhersagen, ob in den nächsten Tagen zum Beispiel in Innsbruck mit Hochwasser zu rechnen ist. Das sind wichtige Informationen für die Einsatzkräfte, um sich entsprechend vorzubereiten.“

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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