19.04.2019 19:00 |

Grabungen der Uni

Kufstein: Archäologen fanden zweite Festung

An Karfreitag beendeten die Archäologen der Universität Innsbruck am Zeller Berg ihre Arbeit. Für die Forscher wurde dieses Projekt zu einem Riesenerfolg. Dazu entwickelten sich die Grabungen - auch wegen der Berichterstattung in der „Krone“ - zu einem wahren Anziehungspunkt für unzählige Interessierte.

Auf Initiative von Horst Konrad bot sich für die Universität Innsbruck die einmalige Chance, die kriegerische Auseinandersetzung von 1504 auf archäologischem Weg zu erforschen.

Aber nicht nur die „Kanonenstellungen des letzten Ritters“ konnten gefunden werden. Dazu kam nach Sondierung und darauffolgender wissenschaftlicher „Schwerstarbeit“ mit Grabungswerkzeugen etwas noch viel Größeres nach 210 Jahren unter der Erde wieder ans Tageslicht.

Teile der zweiten Festung entdeckt
Laut äußerst genauen historischer Recherchen von Horst Konrad befahl im Jahr 1552 König Ferdinand I. der Regierung in Innsbruck, die Befestigungsanlagen der Stadt und der heutigen Festung Kufstein zu verstärken. Eine weitere Anweisung des Herrschers lautete, dass auch am Zeller Berg eine weitere Festungsanlage zu errichten sei. Universitäts-Professor Harald Stadler konnte nun freudig vermelden, dass sein zehnköpfiges Forscherteam die Kellergewölbe dieser „zweiten Festung“ in Kufstein, die bis in das 19. Jahrhundert bestanden hatte, wiederentdeckt und freigelegt hat.

Wissenschaftlich ein sehr großer Erfolg
Harald Stadler dazu: „Das ist ein großer wissenschaftlicher Erfolg, da man gerade für diesen Zeitabschnitt über militärische Thematiken wie Belagerungen und Befestigungen sehr wenig gemacht und erforscht hat in Tirol. Gerade was die Ära Maximilian betrifft, ist dies das erste Mal, dass wir archäologisch in den Boden greifen. Das, was ich bisher gesehen habe, ist überzeugend und teilweise überraschend. Natürlich müssen die Details noch genauer betrachtet werden“.

Zu einen wahren Publikumsmagneten entwickelten sich die Grabungen. Die aus Rietz bei Imst stammende Archäologin Julia Haas: „Das Interesse der Öffentlichkeit war bei Jung und Alt sehr groß. Nicht nur Menschen aus Kufstein, sondern auch von auswärts, interessieren sich für die Funde.“

Dem pflichten auch die beiden zwölfjährigen Kufsteiner Gymnasiasten Kai Strohmeyer und Helena Kogler, die mit ihrer Klasse unter der Leitung von Geschichts-Professor Patrick Brunner den Unterricht auf den Zeller Berg verlegten, vollkommen bei: „Wir finden es sehr spannend, dabei zu sein, wenn historische Objekte der Vergangenheit unserer Heimatstadt von Forschern gefunden werden. Besonders cool war, dass wir unter anderem eine über 500 Jahre alte Kanonenkugel in den Händen halten durften.“

Auch Grabungsleiter Florian Messner zieht gegenüber der „Krone“ ein sehr positives Resümee: „Wir erlebten einige unerhoffte Überraschungen, wie den Fund von bestens erhaltenen Kellergewölben mit Originalputz. Dazu zeitgenössische Artefakte, wie Keramikscherben, Glasstücke und Objekte aus Metall.“

Die Keller wurden schon wieder zugeschüttet
Die ausgegrabenen Keller wurden übrigens schon gestern wieder zugeschüttet – nachdem sie natürlich akribisch erfasst worden waren.

Und wie geht es nun weiter? Die am Zeller Berg gefundenen historischen Objekte finden kommendes Jahr, im Herbst 2020, in einer eigenen thematischen Ausstellung den Weg an die breite Öffentlichkeit. Hierfür hat der Mitsponsor des Projektes, die Sparkasse Kufstein, sich bereit erklärt, ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Man darf schon gespannt sein!

Hubert Berger

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