Den Vorwürfen im E-Mail zufolge soll der Geistliche - der Mitglied des Klosters Mehrerau ist - sowohl in Bregenz als auch im Kloster Birnau am deutschen Bodenseeufer mehrere Ministranten missbraucht haben. Der 69-Jährige war seit 1992 in einer Schweizer Gemeinde als Pfarr-Administrator tätig. Nach seinem Geständnis trat er sofort von seinem Posten zurück.
Die Anzeige nahm der 69-Jährige auf Empfehlung seines Abts und des Churer Bischofs Vitus Huonder vor. Das Bistum Chur habe bisher nichts über die Übergriffe des Paters gewusst, erklärte Bischofsvikar Christoph Casetti. Auch seien bis jetzt keine Straftaten aus der Tätigkeit des Mannes in der Diözese Chur bekannt.
Ermittlungen auf Hochtouren
In Vorarlberg laufen die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu möglichen Missbrauchsfällen derzeit auf Hochtouren. Im Kloster Mehrerau soll es in den vergangenen Jahrzehnten zu schwersten sexuellen Übergriffen und brutalen Quälereien durch Ordenszugehörige, Lehrer und Erzieher gekommen sein. Angeblich gibt es in sieben Fällen konkrete Verdachtsmomente. Bisher sind in Vorarlberg elf Missbrauchsfälle offiziell bekannt geworden.
Udo Fischer: "Jesus hätte sicher nicht geschwiegen"
Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen kritisierte auch der streitbare Paudorfer Pfarrer Udo Fischer den Papst scharf. In der "ZiB 2" forderte er Benedikt XVI. auf, sich zu entschuldigen und etwas am Verhalten der Kirche zu ändern. "Der Papst hätte schon längst auftreten und sprechen müssen." Sein Schweigen sei "ganz schlimm", meinte Fischer. "Jesus hätte dazu sicher nicht geschwiegen."
Der Paudorfer Pfarrer hielt den Papst vor, dass er als Bischof Joseph Ratzinger noch ein Dekret angeordnet habe, wonach Missbrauchsfälle vertuscht werden sollten. Das sei zwar vor neun Jahren revidiert, aber bis jetzt nicht zurückgenommen worden. Auch beim Fall Groer sei nur vertuscht worden, der Vatikan habe damals "überhaupt nichts unternommen". Den österreichischen Bischöfen attestierte Fischer zumindest ein Bemühen, das Problem sei aber, dass ihre Autorität sehr gelitten habe.
Missbrauchsvorwürfe auch in Wiener Mädchenheim
Ebenfalls am Mittwoch wurden Missbrauchsvorwürfe gegen die Erzieherin eines Mädchenheims der Stadt Wien bekannt: Eine heute 51-jährige Frau hat gegenüber dem ORF schwere Vorwürfe erhoben. Sie sei als Kind geschlagen worden und habe sexuelle Übergriffe über sich ergehen lassen müssen. Herta Staffa, Sprecherin der Magistratsabteilung 11, Amt für Jugend und Familie, bedauerte die Vorfälle.
Die 51-Jährige war im Alter von einem Jahr in das Heim gekommen: Dort habe sie unter anderem mit ausgestreckten Händen stundenlang auf einem kalten Gang stehen oder in einer Ecke knien müssen, hieß es in dem Beitrag. Auch sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen: "Ich habe gesagt, ich will das nicht. Dann hat sie mich so geohrfeigt, dass ich blutige Lippen hatte", sagte die Wienerin im Interview. Sie sei sich sicher, nicht das einzige Opfer gewesen zu sein.
"Es tut uns sehr leid", erklärte Sprecherin Staffa. Die Stadt Wien habe viel unternommen, um neue Standards zu setzen. Für mögliche weitere Opfer wolle man ein offenes Ohr haben: Je nach Fall soll dann entschieden werden, ob und wie geholfen werden kann, hieß es.
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