"Tief erschüttert"
Papst fordert Aufklärung aller Missbrauchsfälle
Der Erzbischof sagte weitere Aufklärung zu. Dazu habe Benedikt XVI. die Bischöfe ermutigt. Erneut entschuldigte sich Zollitsch bei den Opfern und sagte den staatlichen Ermittlungsbehörden Unterstützung zu.
"Wir wollen die Wahrheit aufdecken und eine ehrliche Aufklärung", sagte Zollitsch. Darauf hätten die Opfer einen Anspruch, auch wenn die sexuellen Übergriffe schon lange zurücklägen. Die Bischöfe stünden den Betroffenen bei, gingen den Missbrauchsvorwürfen nach und wollten eine Wiederholung verhindern. "Wir stellen uns unserer Verantwortung und können keinen der geschehenen Fälle entschuldigen." Der Missbrauch sei allerdings nicht allein auf die katholische Kirche beschränkt. Das bestärke die Bischöfe, mit möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen über Aufklärung und Prävention das Gespräch zu suchen.
Papst verteidigt Zölibat
Angesichts der wachsenden Kritik am Zölibat im Zusammenhang mit dem Missbrauchskandal verteidigte Papst Benedikt XVI. die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern. Der "heilige Zölibat" sei ein "kostbares Geschenk" und "Zeichen der vollständigen Hingabe" an Gott, sagte Benedikt XVI. bei einem Treffen mit Teilnehmern einer Tagung der Kleruskongregation am Freitag im Vatikan. Die Kirche müsse an der Besonderheit des Priesteramtes festhalten und sich nicht den Moden der säkularisierten Gesellschaft unterwerfen.
Dies widerspricht aber zum Teil einem Bericht der italienischen Tageszeitung "La Repubblica", die am Freitag berichtete, im Vatikan werde insgeheim über die Möglichkeit einer Abschaffung des Zölibats für Priester und Ordensleute diskutiert. Nach Angaben der Zeitung überlegt der Vatikan in einer weiten Zukunft, die in Jahrzehnten gemessen wird, die Zölibatspflicht abzuschaffen. Den streng geheimen Auftrag, über einen Weg dahin nachzudenken, sei einigen hochrangigen Vertretern der Kleruskongregation unter der Leitung von Kardinal Claudio Hummes anvertraut worden. Laut anonymen Quellen der Tageszeitung könnte es in den nächsten 50 Jahren tatsächlich zu einer Abschaffung der Zölibatspflicht kommen. "Der Heilige Stuhl hat begonnen, sich über etwas Gedanken zu machen, was sich als wahre Revolution erweisen und die Katholiken den Protestanten annähern könnte, deren Geistlichen Familien haben können. (...) Der Samen scheint gesät worden zu sein", schrieb "La Repubblica".
Runder Tisch wird begrüßt
Nachdrücklich begrüßte Zollitsch einen Runden Tisch, zu der die deutsche Familienministerin Kristina Schröder und die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) am 23. April nach Berlin eingeladen haben. Daran nehme auch die deutsche Bischofskonferenz teil.
In der deutschen Bundesregierung gibt es unterdessen weiterhin unterschiedliche Bewertungen der Affäre. Schröder ging in der "Financial Times Deutschland" indirekt auf Distanz zu Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die bei der Aufarbeitung vor allem die katholische Kirche in der Pflicht sieht und ihr mangelnde Aufklärung vorgeworfen hat. Sexueller Missbrauch sei nicht nur ein Thema der Kirchen. Deshalb sollten die Religionsgemeinschaften nicht einseitig an den Pranger gestellt werden.
Entschuldigung des Papstes gefordert
Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse forderte eine Entschuldigung des Papstes. Eine solche Geste sei mehr wert als einige Tausend Euro Entschädigung, sagte der SPD-Politiker, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist. Ein öffentliches Wort des Bedauerns und eine Bitte um Entschuldigung wäre angemessen, so Thierse im Sender RBB. Benedikt hatte sich kürzlich auch für Missbrauchsfälle in den USA und Irland entschuldigt. Damals hatte er die Missbrauchsfälle als "abscheuliches Verbrechen" gegeißelt und dann "Null Toleranz", Aufklärung und Vorbeugung verlangt.







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