Wahlen im Irak

Schon vor dem Beginn: Anschläge auf Wahllokale

Ausland
06.03.2010 17:08
Der Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hat im Internet ein "Ausgehverbot" für Sonntag erklärt, um die Parlamentswahl zu behindern. Bereits am Samstag kam es zu ersten blutigen Zwischenfällen. Wie das auf Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE in Washington mitteilte, droht die Organisation allen Wählern mit dem "Zorn Gottes und den Waffen der Mujaheddin".

Terroristen und Aufständische versuchen derzeit, den Urnengang zu behindern. In der schiitischen Pilgerstadt Najaf starben am Samstag vier Iraner und ein Iraker, als eine Autobombe auf einem Busbahnhof detonierte. 50 Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt.

In der nördlichen Provinz Salaheddin wurde in der Nacht zum Samstag ein Polizist verletzt, als eine Mörsergranate ein Wahllokal traf, das er bewachen sollte. Unbekannte sprengten in einem von Kurden kontrollierten Bezirk der Provinz Diyala eine Schule in die Luft, die als Wahllokal hätte dienen sollen.

Das von dem Al-Kaida-Ableger ausgerufene "Ausgehverbot" soll am Sonntag von 6 Uhr bis 18 Uhr dauern. Es gelte "im ganzen Irak und insbesondere in sunnitischen Gegenden", zitierte SITE aus der Internetmitteilung. Die Gruppe rief den Angaben zufolge dazu auf, sich für den Wahltag mit Proviant einzudecken.

Votum als Test für die junge irakische Demokratie
Die Iraker wählen am Sonntag zum zweiten Mal seit dem Sturz von Saddam Hussein im Frühjahr 2003 ihr Parlament. Das Votum gilt als Test für die noch jungen demokratischen Strukturen des Landes, das zum Teil erheblich unter Korruption und Misswirtschaft leidet. 

Der Erfolg der Abstimmung wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es gelingt, alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen an die Urnen zu bringen. Vor allem die Beteiligung der größten Minderheit der Sunniten an der Wahl gilt als entscheidend für die Suche nach einem gesellschaftlichen Konsens.

Fast eine halbe Million Wahlbeobachter haben sich registrieren lassen. Die meisten von ihnen sind Vertreter von Parteien. Insgesamt 18,9 Millionen Iraker sind wahlberechtigt. Gemäß der Verfassung gibt es bei diesem Urnengang letztmalig eine Frauenquote von 25 Prozent. Bei der nächsten Parlamentswahl sollen dann keine Sitze mehr für Frauen auf diese Weise reserviert werden.

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