Großer Erfolg

Viel Blasmusik in OÖ ist „Turbo“für die Bildung

Humptata statt Hochschule? Glaubt man Claudia Resch vom Salzburger Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF), so sind die vielen Blasmusikkapellen ob der Enns möglicherweise einer der Gründe, warum unsere Schüler bei den meisten Leistungsüberprüfungen wie Bildungsstandards, PISA oder Zentralmatura bundesweit am besten abschneiden.

„Krone“: Blasmusik als Bildungsturbo? Ist das ernst gemeint?
Claudia Resch: Schauen Sie, wir haben uns gefragt, warum ausgerechnet Oberösterreich immer so gut abschneidet. Und, ehrlich gesagt, wir haben auf Anhieb eigentlich mehr Gründe gefunden, warum es nicht so sein sollt.

„Krone“: Was meinen Sie damit?
Resch: Der Akademikeranteil bei den Eltern ist mit 24 Prozent am niedrigsten von ganz Österreich. Beim regionalen Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner liegt OÖ an fünfter Stelle. OÖ hat nach Wien und Salzburg den dritthöchsten Anteil, nämlich 18 Prozent,an Kindern mit Migrationshintergrund.

„Krone“: Das klingt entmutigend.
Resch: Ja, aber ich bin noch nicht fertig: In OÖ liegt der Finanzaufwand pro Volksschüler bei 7.604 Euro, der Bundesschnitt ist um 444 Euro höher. 29,2 Prozent der oö. Volksschüler wechseln ans Gymnasium, bundesweit aber 36,8 Prozent.

„Krone“: Trotzdem haben unsere Schüler die Nasen vorn.
Resch: Vielleicht liegt es an der Lehrerausbildung in Oberösterreich oder auch daran, dass in keinem Bundesland der Industriesektor so groß und der Dienstleistungssektor so klein ist. Vielleicht liegt es aber auch an der Blasmusik? In keinem anderen Bundesland gibt es – im Verhältnis zur Bevölkerung – mehr Blasmusikkapellen.

„Krone“: Am markantesten ist aber die Talenteförderung.
Resch: Vielleicht liegen die guten Ergebnisse auch an der sehr gut ausgebauten Begabtenförderung in Oberösterreich. OÖ ist bundesweit führend und investiert mehr als alle anderen Bundesländer zusammen. Jeder Volksschullehrer muss sich damit auseinandersetzen, die Begabtenförderung ist allen Eltern bekannt und hat auch ein positives Image.

Interview: Christoph Gantner

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