Rettung gescheitert

Quelle-Verwalter empört: Interessent hat “nur spekuliert”

Oberösterreich
27.02.2010 18:09
Die Verhandlungen über einen Verkauf des insolventen Versandhändlers Quelle an den Ex-Investmentbanker Mike Lielacher sind gescheitert. Lielachers letztes Angebot, das ihn und seine Investoren letztendlich nur 14 Millionen Euro kosten hätte sollen, habe "dessen wahres Gesicht gezeigt", empörten sich die Masseverwalter am Freitag. Es sei nun davon auszugehen, dass ein Betrieb in Form eines Versandhandels am bisherigen Standort nicht mehr aufgenommen werde.

Masseverwalter Erhard Hackl übte am Freitag harte Kritik an Lielacher: "Mir kommt vor, er spekuliert damit, nur mit Arbeitsplätzen winken zu müssen, um das Quelle-Vermögen auf Kosten der Konkursgläubiger fast geschenkt zu bekommen." Es sei auch möglich, dass die Gruppe aussteigen wolle oder müsse und den Schwarzen Peter für das Scheitern des Kaufs den Masseverwaltern zuspielen wolle, so Hackls Kollegen Rudolf Mitterlehner und Thomas Zeitler.

Ursprünglich 51 Millionen Euro geboten
Lielacher habe gemeinsam mit Gerhard Bruckberger als Vertreter von "bis heute nicht bekannten namhaften österreichischen Investoren" im Dezember ein nicht bindendes Angebot für Forderungen, Anlagevermögen, Kundendaten, Warenvorräte sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in Höhe von rund 51 Millionen Euro gelegt, berichten die Masseverwalter. Parallel dazu sei den Mitarbeitern und der Politik Hoffnung auf den Erhalt von Arbeitsplätzen in Linz gemacht worden. 

Die Stadt Linz habe sich daraufhin bereiterklärt, die Liegenschaft - unter der Bedingung des Unternehmensverkaufes und einer Absichtserklärung, rund 500 Personen langfristig zu beschäftigen - um 16,5 Millionen Euro netto zu kaufen und an den Quelle-Erwerber zu einem angemessenen Bestandzins zu vermieten.

Nach mehreren Verhandlungen und Besprechungen sei eine Vertragsunterfertigung am 12. Februar ins Auge gefasst worden, so Hackl. Entgegen den Zusagen habe Lielacher aber dann erklärt, dass eine Unterfertigung erst am 24. Februar infrage komme. 

Angebot in letzter Minute abgeändert
Am 23. Februar erhielten die Masseverwalter schließlich ein Schreiben, in welchem für die Forderungen im derzeitigen Nominalwert von 72 Millionen Euro, das Anlage- und sonstige Umlaufvermögen, die Kundenadressen sowie die Liegenschaft ein Kaufpreis von 35 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer und Gebühren angeboten wurde. Hackl: "Verknüpft mit plötzlich geänderten und praktisch unerfüllbaren Vertragsbedingungen und ohne entsprechende Absicherung für die Bezahlung des Kaufpreises."

Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass damit das Angebot der Stadt Linz für die Liegenschaft wegfalle und für Kundendaten, Anlagevermögen und Warenvorräte etc. sowie beinhaltete Umsatz- und Grunderwerbssteuer sowie sonstige Abgaben mindestens vier Millionen Euro anzusetzen seien, bedeute das, dass sich Lielacher die Forderungen und die Daten der Kunden, um 14 Millionen "unter den Nagel reißen will". Dazu komme noch, dass auch eine Absichtserklärung zur Beschäftigung von 500 Mitarbeitern nicht mehr Gegenstand eines Vertrages gewesen sei.

Endstation: Zerschlagung
Da dem Masseverwalter laut eigener Aussage allein für die Forderungen erheblich bessere Angebote vorliegen würden und auch die Möglichkeit bestehe, sie selbst einzutreiben, sei Lielachers Offert "völlig undiskutabel". Nachdem sich Ex-Quelle-Vorstand Martin Lenz, um dessen Bietergruppe es in den vergangenen Wochen ruhig geworden war, offiziell als Interessent zurückgezogen habe und auch ein weiterer Bewerber mangels Mitwirken der Stadt Linz chancenlos sei, nehmen die Masseverwalter die Zerschlagungsverwertung in Angriff. Es sei davon auszugehen, dass ein Betrieb in Form eines Versandhandels nicht mehr aufgenommen werde.

Quelle-Betriebsratsobmann Felix Hinterwirth sieht sich in seinem bisherigen Einsatz für die Belegschaft bestätigt. Die Maßnahmen hätten gegriffen, von den einstigen Mitarbeitern seien nur mehr rund 10 Prozent oder an die 150 Personen in der Dienstleistungsgesellschaft des Masseverwalters. Die übrigen seien in einer Stiftung und in Projekten oder hätten über die Jobbörse eine neue Beschäftigung gefunden. Der KSV schätzt die Gesamtverbindlichkeiten auf 95 bis 100 Mio. Euro. Er und der AKV rechnen für die unbesicherten Gläubiger mit einer Quote von 40 Prozent. Arbeiterkammerpräsident Johann Kalliauer zeigte sich vom Scheitern der Verhandlungen "betroffen". Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl sagte weiter volle Unterstützung für die Belegschaft zu.

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