Nach drei Wochen

Haiti: Acht von zehn “Kindesentführern” wieder frei

Ausland
18.02.2010 08:23
Nach fast drei Wochen Haft sind in Haiti acht der zehn unter dem Verdacht der Kindesentführung festgenommenen US-Bürger wieder frei. Sie verließen am Mittwoch das Gefängnis und landeten wenige Stunden später in Miami. Eltern hatten zuvor ausgesagt, sie hätten ihre Kinder freiwillig an die baptistischen Missionare übergeben. Trotz der Freilassung sei das Verfahren gegen die Gruppe aber noch nicht beendet, betonte Haitis Sicherheitsminister.

Die beiden Leiterinnen der Gruppe sollen nach einer haitianischen Gerichtsverfügung für weitere Befragungen vorerst in Haft bleiben. Nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Jänner wurden insgesamt fünf US-amerikanische Männer und fünf Frauen bei dem Versuch festgenommen, 33 Kinder außer Landes zu bringen. 

Nach Angaben der Behörden bestand der Verdacht, dass die Kinder illegal an Adoptiveltern vermittelt werden sollten. Die Festgenommenen, baptistische Christen aus dem US-Staat Idaho, wiesen die Vorwürfe zurück und betonten, sie wollten für die Kinder ein Waisenhaus in der an Haiti angrenzenden Dominikanischen Republik errichten.

Der haitianische Sicherheitsminister Claudy Gassant legte Wert auf die Feststellung, dass das Verfahren mit der Freilassung noch nicht beendet sei. Die Freigelassenen müssten damit rechnen, im weiteren Verlauf des Verfahrens nach Haiti zurückzukehren. Sie seien noch nicht als unschuldig zu betrachten. Das US-Außenministerium teilte dazu am Donnerstag mit, die USA respektierten "das souveräne Recht der haitianischen Regierung, ihre eigenen Prozesse zu führen".

Warum reiste die Gruppe bereits vor dem Beben ein?
Weiter im Gefängnis befinden sich die Leiterinnen der Gruppe, Laura Silsby und Charisa Coulter. Nach Angaben ihres Anwalts will der Richter herausfinden, warum die beiden bereits vor dem Erdbeben nach Haiti gereist seien. Der Anwalt sagte, seine Mandantinnen hätten in einem Waisenhaus im Nordosten des Landes helfen wollen. 

Haiti war am 12. Jänner von einem beispiellos schweren Erdbeben erschüttert worden. Mindestens 217.000 Menschen kamen nach offiziellen Angaben bei der Katastrophe ums Leben, die Hauptstadt Port-au-Prince und weitere Gebiete wurden schwer zerstört. Mehr als eine Million Menschen verloren ihre Behausungen.

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