Bärengalle und Co.

Kim Jong Il gibt Unsummen für China-Medizin aus

Ausland
16.02.2010 16:42
Den Staatsfeierlichkeiten anlässlich seines 68. Geburtstages hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il am Dienstag nicht beigewohnt. Der "liebe Führer" war wahrscheinlich mit Bärengalle und Rhinozeroshorn beschäftigt: Mit teuren chinesischen Heilmitteln soll sich der depressive und chronisch kranke Staatschef Gewährsleuten zufolge nämlich verzweifelt zu kurieren versuchen. Umgerechnet 450.000 Euro wurden bei einer einzigen Einkaufstour in Peking zuletzt ausgegeben.

Im Ausland wird schon seit längerem über Kims Gesundheitszustand und die Zukunft seines verarmten, isolierten Landes spekuliert. Auf den Fernsehbildern in Nordkorea (siehe Video oben) waren am Dienstag nur Politiker und das zwangsweise jubelnde Volk zu sehen. Weit und breit keine Spur vom Jubilar. 

Auf Fotos staatlicher Medien wirkte Kim in letzter Zeit zwar auffällig mager, aber munter und guter Dinge. In einen dicken Parka gehüllt, sah man ihn in den vergangenen Wochen Anweisungen zum Bau eines Hotels (Bild) erteilen, ein Bergwerk besuchen und einer Tanzaufführung beiwohnen. Doch Cheong Seong-Chang vom privaten Sejong-Politikinstitut bei Seoul, Südkorea berichtet unter Berufung auf eine "sehr glaubwürdige" Geheimdienst-Quelle, Kim müsse sich der Dialyse unterziehen und leide an Depressionen.

Kims Befinden ist offiziell ein strenggehütetes Geheimnis. Nach unbestätigten Berichten hat er im August 2008 einen Schlaganfall erlitten, nach dem er monatelang nicht in der Öffentlichkeit erschien. Sein schiefes Lächeln auf Fotos der jüngsten Zeit deutet darauf hin, dass er sich noch von einem Schlaganfall erholt.

Rätselraten um Sohn als Nachfolger
Sein schwächer werdender Gesundheitszustand hat den autoritären Herrscher über das 24-Millionen-Volk nach Cheungs Einschätzung gezwungen, den Prozess der Machtübergabe zu beschleunigen. Noch hat er keinen seiner drei Söhne zum Nachfolger bestimmt, doch soll er den Jüngsten vorziehen. Über diesen Kim Jong Un, der Mitte 20 sein soll, ist kaum etwas bekannt. Fotos von ihm als Erwachsenen sind nicht im Umlauf. Selbst die südkoreanische Regierung war bis vergangenen Sommer nicht sicher, wie sich sein Name auf Koreanisch genau schreibt. Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen hat er eine Position im mächtigen Nationalen Verteidigungsrat inne, was darauf hinweist, dass er für Höheres ausersehen ist.

Kim Jong Il ist als Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission Oberbefehlshaber der Streitkräfte, das Amt des Staatspräsidenten der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik bekleidet er aber formal nicht. Dieses ist seinem 1994 verstorbenem Vater Kim Il-sung als "ewiger Präsident" vorbehalten.

450.000-Euro-Einkaufstour für Naturheilmittel
Traditionelle östliche Medizin ist in dem abgeschotteten Land, wo westliche Medizin seit dem Zusammenbruch des Gesundheitswesens Mitte der 90-er Jahre kaum noch verfügbar ist, sehr populär. Galle aus der Gallenblase von Bären, Horn vom Nashorn und Moschus werden bei der Behandlung von Schlaganfällen geschätzt, wie Choi Dong-Jun, ein Professor für östliche Heilkunde, erklärt. 

Sie gehören zu den teuersten und seltensten Präparaten. Ein Rhinozeroshorn kostet laut Choi in Südkorea von umgerechnet 3.700 Euro aufwärts, Moschus rund 65 Euro das Gramm. Kims ältester Sohn Jong Nam erwarb dem Geheimdienstinformanten zufolge 2008 in Peking seltene Heilmittel im Wert von 450.000 Euro. Aus einer anderen Quelle verlautete, in den vergangenen Monaten seien wieder Nordkoreaner nach China gereist, um Nachschub zu besorgen.

"Kimjongila"-Blume und Kochrezepte
An Kims Geburtstag war auf den Straßen Pjöngjangs freilich kein Anzeichen dafür zu bemerken, dass irgendetwas nicht in Ordnung wäre. Familien spazierten zu einer Sonderausstellung der nach dem Staatschef benannten "Kimjongila"-Blume. Eines der bekanntesten Restaurants der Hauptstadt setzte zu Ehren des Geburtstages Schnappschildkröte auf die Speisekarte, als Suppe oder auch als rohes Gericht aus Herz, Leber und Rogen. Kim selbst habe "sorgfältige Anweisungen" gegeben, wie Schildkröten aufzuziehen und zuzubereiten seien, meldete die Nachrichtenagentur KCNA. Schildkröten, ein Symbol für ein langes Leben, gelten in Asien als nahrhafte Delikatesse.

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