24.01.2019 06:00 |

Neuer Bombenhorror?

Irland vor dem Brexit: Der Fluch Cromwells

Das Wetter ist rau, und das Leben war es über viele Jahrhunderte auch. Es hat die Menschen auf der Grünen Insel zu Kämpfern gemacht, die sich nicht beugen, auch wenn man ihnen noch so sehr zusetzt. Irland, das katholische Irland, fühlt sich bis heute als Insel der Unbeugsamen. Und in kaum einem Land wird die Geschichte so hochgehalten, prägt Menschen, Leben, Bräuche und Politik bis heute.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die große konservative Partei des Landes Fianna Fáil heißt und die Liberalen Fine Gael - also: „Soldaten des Schicksals“ und „Clan der Gälen“. Und die schlimmste Verwünschung, die ein katholischer Ire aussprechen kann, heißt: „Der Fluch Cromwells soll über dich kommen!“

Irische Traumata: Hungersnot und britische Besatzung
Denn das Trauma der Geschichte Irlands ist neben der durch Kartoffelfäule ausgelösten großen Hungersnot, die Mitte des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung für Generationen dezimiert hat, in erster Linie die britische Besatzung, die das Land nach der englischen Invasion im Jahr 1170 fast 800 Jahre geprägt hat. Und der Schlimmste unter diesen Besatzern war Oliver Cromwell, ein radikaler Protestant, der 1649 mit 110 Schiffen und 12.000 Mann in Irland einfiel.

Acht Jahre lang hatte zuvor wieder einmal ein Aufstand getobt auf der Insel, bei dem die Iren mehr als 10.000 Siedler aus England abgeschlachtet haben. Cromwells Rache ist noch um vieles grausamer und auf der Insel bis heute nicht vergessen. Der Auftrag an den Feldherrn in London ist ganz klar: „Irland mit Puritanern bepflanzen, die Papisten entwurzeln und das Land sichern.“

Cromwells Vernichtungsfeldzug prägt Insel bis heute
Den Katholiken soll ihr angestammtes Land also entrissen und von protestantischen Puritanern aus England besiedelt werden. Cromwells Soldaten ziehen wie Schlächter über die Insel, töten, wer ihnen vor das Schwert kommt, Frauen, Mönche, Kinder. Cromwell selbst bleibt nur 285 Tage in Irland, aber die Folgen seines Feldzuges prägen die Politik in Irland bis heute.

Denn als Irland nach einem elfmonatigen Bürgerkrieg im April 1923 endlich unabhängig wird, erkauft es sich die Freiheit mit der Teilung der Insel. Der mit besonders vielen „Puritanern bepflanzte“ Norden bleibt bei Großbritannien.

Von 1969 an tobt in dem konfessionell gespaltenen Nordirland fast 30 Jahre lang die Gewalt. In dem Bürgerkrieg zwischen der katholischen IRA und diversen paramilitärischen Milizen auf protestantischer Seite kommen mehr als 3000 Menschen ums Leben.

Karfreitagsabkommen als Schlusspunkt unter Jahrhunderte der Gewalt
Die Katholiken forderten einen Abzug der britischen Truppen, die sie als Besatzer sahen, und eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland. Erst mit dem mühsam ausgehandelten Karfreitagsabkommen von 1998 gelingt die Befriedung des Konfliktes. Der Vertrag bildete auch die Grundlage für den späteren Abbau der Grenze.

Dieser ist für die Katholiken im Norden ganz wesentlich, sind Nordirland und die Republik Irland dadurch zwar nicht offiziell, aber gefühlt und im täglichen Leben spürbar zusammengewachsen, eine Art „Wiedervereinigung“ also.

Derry-Attentat als eindringliche Warnung
Die Angst vor neuer Gewalt ist also berechtigt, sollte es nach einem harten Brexit ohne Abkommen mit der EU wieder zu einer festen Grenze zwischen dem Norden und dem Süden kommen. Die Katholiken hätten wieder das Gefühl, in einem besetzten Land zu leben. Der Anschlag vom vergangenen Wochenende in Derry (Londonderry) sollte allen klargemacht haben, dass damit nicht zu spaßen ist.

Denn Cromwells Fluch lastet noch immer auf der Grünen Insel.

Christian Hauenstein, Kronen Zeitung

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