"Krone": Sie gelten als Beschuldigter im Hypoverfahren.
Günter Striedinger: Was ich absolut nicht verstehen kann! Die Vorwürfe um diese Hubschrauberfinanzierung in Kroatien sind absurd. Und das Beste: Sie fragen mich, was da dran ist – die SOKO Hypo bisher noch nicht. Man hat mir nur schriftlich mitgeteilt, dass ich verdächtig bin, mehr nicht.
"Krone": Es geht um Untreue.
Striedinger: Ja. Kunden wollten in Kroatien ein Rettungshubschraubergeschäft aufbauen. Es kam hypointern zu Verschiebungen, wo dieses Geschäft zu betreuen ist. Kroatien hätte zwei Millionen Euro an Einfuhrumsatzsteuer rückvergüten müssen – wohin die geflossen sind, weiß ich nicht. Konkret heißt es, ich hätte einen Sicherheitsverzicht unterschrieben, was Unsinn ist! Bei allen Krediten kann ja immer nur das zuständige Gremium, in diesem Fall vier Vorstände, entscheiden, nie einer alleine.
"Krone": Galt bei der Hypo immer ein Vier-Augen-Prinzip?Striedinger: Natürlich. Wir waren lange ein Superteam.
"Krone": Das letztlich auseinandergebrochen ist. Sie und Wolfgang Kulterer sollen ja keine Freunde mehr sein.
Striedinger: Wir hatten massive Auffassungsunterschiede über Expansionspläne, Personalentscheidungen und den Öffentlichkeitsauftritt. Deshalb bin ich nach fast 20 Jahren gegangen. Wenn es danach Probleme gab, hat es nur geheißen, so wurde mir zugetragen, das ist der Leichenkeller vom Striedinger...
"Krone": Auch jetzt werden vor allem Kroatienspekulationen als Verlustquelle genannt. Das war Ihr Spezialgebiet.
Striedinger: Ja, aber ich habe gewusst, wie das dort läuft, habe die Grenzen gekannt. Wenn dann nach meinem Abgang Kredite weitergeführt und massiv erhöht werden, frage ich mich, warum ich verantwortlich sein soll. Sich auf die Vergangenheit abzuputzen, ist ein billiges Spiel.
"Krone": Die Hypo hat in Kroatien viel Geld verdient.
Striedinger: Und dankt dafür einer? Nein! Man wird nur mit Schmutz beworfen und soll zu Unrecht Gehalt und Prämien bezogen haben.
"Krone": Und es gab oft Vorwürfe wegen Geldwäsche und wegen Mafiaverbindungen.
Striedinger: Was die Geldwäsche anlangt, so hat die Justiz da nie etwas gefunden! Alle Vorwürfe mussten zurückgenommen werden. Aber das stellt nie jemand klar. Über Mafiaverbindungen zu reden, ist so etwas von primitiv, dass mir die Worte fehlen, wie Leute so einen Mist von sich geben können.
"Krone": Und die Geschäfte mit General Zagorec?
Striedinger: Als sein Sohn entführt wurde, habe ich ihm mit dem Lösegeld geholfen. Das hat er ordentlich zurückgezahlt und daraus hat sich eine Geschäftsbeziehung entwickelt – er hat einige Projekte an die Hypo herangetragen. Als es bei ihm zum Politshowdown kam, wurde er plötzlich kriminalisiert, vorher war er ein VIP mit besten Verbindungen und Topruf.
"Krone": Apropos VIP: Sie waren selbst einer – bis zur Verurteilung wegen der SWAP–Verluste, wo Sie als einziger gekämpft haben.
Striedinger: Ich bin kein VIP, aber ein Gerechtigkeitsfanatiker! Ich war mir wirklich keiner Schuld bewusst – was soll ich also gestehen, wenn ich nichts getan habe! Jetzt muss ich eben akzeptieren, dass ich trotzdem verurteilt wurde.
"Krone": Wie geht’s einem damit?
Striedinger: Beschissen. Auch in den letzten Wochen. All die Vorwürfe, der Druck auf meine Familie, dazu das Schweigen der Hypomanager – und zuschauen müssen, wie das einstige Kind zur Missgeburt wird. Unter mir und dem Kulterer hätt’s das nie gegeben!
"Krone": Wie konnte es mit der Hypo so bergab gehen?
Striedinger: Ich verstehe es nicht. Das aktuelle Management hat nie klargestellt, was passiert ist. Ich höre nur, dass bei den Bewertungen viel verpfuscht wurde. Und dass mehr dahintersteckt.
"Krone": Es gibt ja Verschwörungstheorien, dass Großbanken nur auf günstige Assets im Osten warten und der Bankrott forciert worden wäre.
Striedinger: Durchaus möglich. Jetzt in der Krise ist eine Immobilie in Kroatien nicht leicht zu verkaufen, aber in zwei, drei Jahren! Da liegen nach wie vor große Potenziale. Das ist weiter ein Zukunftsmarkt, weil derzeit Flaute herrscht.
"Krone": Apropos Flaute: Die Geisteryachten, fallen die auch in Ihre Kompetenz?
Striedinger: 400 Boote sollen verschwunden sein, dazu 50 Flugzeuge. Wie soll das gehen? Das waren alles ordentliche Leasingverträge; soviel ich weiß, gibt es nur zwei Betrugsfälle. Ich wundere mich, warum die Hypoführung sich nicht endlich wehrt und so das Haus und die Mitarbeiter weiter beschmutzen lässt!
von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
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