Italien macht ernst

Bald Haftstrafen für Auslöser von tödlichen Lawinen?

Ausland
08.02.2010 17:47
Nach sechs Lawinen-Toten am Wochenende in Norditalien will die Regierung in Rom strenge Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreifen. Überlegt werden Haftstrafen für Personen, die tödliche Lawinen auslösen. 5.000 Euro Strafe sind für Skifahrer vorgesehen, die bei gefährlichen Bedingungen abseits der Pisten unterwegs sind. In Österreich sind solche Maßnahmen aufgrund der herrschenden Gesetzeslage nicht möglich.

Mit der geplanten Verordnung reagiert die Regierung Berlusconi auf einen Appell des italienischen Zivilschutzchefs Guido Bertolaso. Zu viele Menschen würden wegen des verantwortungslosen Verhaltens von Bergsteigern und Skifahrern ums Leben kommen, die die Lawinengefahr ignorieren. 

Viele Bergrettungsmannschaften müssten sich in gefährliche Situationen begeben, um verantwortungslose Skifahrer in Sicherheit zu bringen, kritisierte Bertolaso.

Jetzt bist du gefragt: Sollte die österreichische Regierung den Plänen Roms folgen oder hältst du Haftstrafen für übertrieben? Stimm ab in der Infobox!

Messner: "Hysterische Reaktion"
Bergsteiger-Legende Reinhold Messner kritisiert die Pläne der Regierung als "hysterische Reaktion". Mit derartigen Gesetzesinitiativen werde "dem Alpinismus der Garaus gemacht", meinte der "König der Achttausender", wie der 65-jährige Südtiroler mit Blick auf seine Bergsteiger-Erfolge genannt wird.

Jeder Bürger trage eine Verantwortung gegenüber den anderen, "auch die, die Bergsport betreiben", sagte der Südtiroler. Dafür brauche man kein neues Gesetz, sondern vielmehr eine bessere Aufklärung darüber, "wo Tourismus aufhört und wo professioneller Bergsport anfängt", so Messner.

Christophorus-Chef: "Lieber auf Eigenverantwortung setzen"
Ähnlich sieht das auch Reinhard Kraxner, Geschäftsführer des Christophorus Flugrettungsvereins. "Ich glaube, dass es besser ist, auf die Eigenverantwortung der Alpinisten zu setzen als auf Strafen. Seit Jahren wird in diesem Bereich Aufklärung betrieben, und sie scheint zu wirken. Das konnte ich gerade wieder am vergangenen Wochenende auf einer Skitour beobachten. Die meisten Skifahrer wählten sichere Routen", so Kraxner.

Die zahlreichen Lawinentoten der vergangenen Tage seien zwar tragisch, doch sei die Zahl in anbetracht der Personen, die sich im freien Skiraum bewegen, vergleichsweise niedrig. "Allein in den vergangenen zehn bis bis 15 Jahren hat sich die Zahl dieser Fahrer immerhin verfünffacht."

Gesetzlich gebe es derzeit ohnehin kaum eine Handhabe gegen Skifahrer, die Lawinen auslösen und somit andere Personen in Gefahr bringen. "Einzig der Weg einer Zivilklage steht offen, beispielsweise, wenn eine Person aufgrund von fahrlässigem Handeln zu Schaden gekommen ist", so der Christophorus-Chef.

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