Gefahrenpotenziale:

„Hilferufe“ der Hebammen im Linzer Uniklinikum

„Den Müttern Angst zu machen, dass sie ihr Kind bei uns nicht g’scheit zur Welt bringen können, ist mehr als mies“, meint Primar Peter Oppelt von der Gynäkologie und Geburtshilfe am Linzer KUK zum (intern vorgebrachten) Personalmangel-Alarm von Betriebsräten des Kepler-Uniklinikums. Dieser stützt sich aber auf „Hilferufe“ der Hebammen-Teams in Ambulanz und Kreißzimmern. Diese (auch internen) „Situationsdarstellungen“ der Arbeitskräfte enthalten sehr wohl alarmierende Schilderungen von Gefahrenpotenzialen für Mütter und Babys.

Primar Oppelt - siehe auch Interview unten -verweist auf die „überdurchschnittlich guten Qualitätsparameter“ nach Geburten am KUK. Und Heinz Brock, der medizinische Geschäftsführer des Uniklinikums, bestreitet durch Personalmangel bzw. -überlastung erhöhte Risken für Patienten.

„Lebensbedrohliche Situationen“
In den Berichten von der „Front“ (zuletzt vom Oktober und November) an die Vorgesetzten), die natürlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind,liest sich das völlig anders. Insbesondere eine Passage des Ambulanz-Teams bezüglich „nicht kontinuierlich gewährleisteter“ Überwachung während der CTG-Schreibung (von Herztönen des Kindes und Wehen der Mutter) liest sich bedrohlich: „Gefahrensituationen, die unverzüglich ärztliches Einschreiten erfordern, werden nicht dementsprechend wahrgenommen. Dadurch entstehen für Mutter und Kind lebensbedrohliche Situationen.“

„Gefahr für Mutter und Kind“
In der Situationsmeldung der Kreißzimmer-Hebammen heißt es ähnlich: „Das Personal muss so angepasst werden, dass die vielen Spitzenzeiten gut abgedeckt werden können. Die dadurch entstehenden Vorhaltekosten sind unumgänglich. Es besteht ansonsten Gefahr für Mutter und Kind!“

Bearbeitungen und Bemühungen
Die kollegiale KUK-Führung verweist auf bereits laufende „Bearbeitungen der Themenfelder“ und Bemühungen zur Arbeitsentlastung der Hebammen bzw. Rekrutierung von neuen.

Interview mit Primar Peter Oppelt vom KUK
Der dramatische „Hilferuf“ von KUK-Betriebsräten, die für ein Schreiben an die anderen KUK-Aufsichtsratsmitglieder den Satz „Gefahr für Mutter und Kind“ übernommen haben (und unser Bericht darüber) empört Gynäkologie- und Geburtshilfe-Primar Peter Oppelt.

„OÖ-Krone“: Wie sehen Sie den „Hilferuf“ von KUK-Betriebsräten?
Peter Oppelt
: Ich finde das mehr als unglücklich, zumal wir ja jüngst noch in Gesprächen auch mit dem Betriebsrat waren, wegen der Problematik der Hebammen.

„OÖ-Krone“: Da gibt es ja tatsächlich Briefe voller Personalnöte.
Oppelt: Hebammen gibt’s im Augenblick auf dem Markt nicht. Deshalb haben wir Pflegehelfer eingestellt, um ihnen Aufgaben abzunehmen. Und deshalb hat die FH einen zusätzlichen Jahrgang zur Ausbildung aufgenommen. Es sind sechs zusätzliche Stellen für Hebammen genehmigt worden und wir haben heuer 5 bis 10 Prozent weniger Geburten. Da von Mutter-Kind-Gefährdung zu reden, ist mehr als nicht fair. Das demotiviert meine Leute, die wirklich viel arbeiten und viel schwierigere Fälle bekommen, als in einem peripheren Spital.

„OÖ-Krone“: Personalmangel gibt es ja überall in den Spitälern.
Oppelt: Ja, das haben sie überall. Wir in meiner Abteilung sind auch knapp besetzt mit Ärzten. Aber wir schaffen das und wir sind auch in guten Gesprächen mit der kollegialen Führung.Wir haben am Wochenende einen zweiten Assistenzarzt dazugegeben, damit wir alles besser abfedern können.

„OÖ-Krone“: Der dann unter der Woche fehlt, wegen der Ruhezeiten.
Oppelt: Diese Probleme hat momentan jedes Krankenhaus in Österreich, das ist dieses Ärztearbeitszeitgesetz mit 48 Wochenstunden und kürzeren Diensten. Das ist allen auf den Kopf gefallen.

Bericht und Interview: Werner Pöchinger

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