„Hohes Fehler-Risiko“:

Brisanter Alarmschrei aus Kepler-Uniklinikum Linz

Im Linzer Kepler-Uniklinikum werden unbestritten medizinische Spitzenleistungen erbracht. Doch unter welchen personellen Problemen und mit welchem Fehlerrisiko behaftet dort der medizinische „Alltag“ oft abläuft, darüber gibt ein brisanter (interner) Alarmruf des KUK-Betriebsrates für einen Teilbereich nun Auskunft.

Sie haben offenbar keine Lust mehr auf Weihnachtsidylle: Wenige Tage vor dem Fest haben sich die KUK-Zentralbetriebsräte Branko Novakovic und Helmut Freudenthaler an ihre Kollegen- und Kolleginnen im KUK-Aufsichtsrat gewendet, mit dem „Verlangen einer vertraulichen Beratung“, nämlich unter Ausschluss der Geschäftsführung (!). Thema: Mangelnde Personalressourcen und aufgrund von entsprechender Arbeitsdichte bzw. Zeitdrucks permanent hohes Fehler-Risiko in den Bereichen Gynäkologie, Geburtshilfe und Kinderchirurgie. Lesen Sie hier auch, wie Geschäftsführung und Gesundheitslandesrätin auf die Kritik reagiert.

Ein Konvolut von „Situationsmeldungen“
Die Aufsichtsratsvorsitzende Christine Haberlander (ÖVP-Politikerin ) forderte noch am selben Tag nähere Informationen anund bekam nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung (vom 18. Dezember) eine Fülle von Details, darunter ein Konvolut von „Situationsdarstellungen aufgrund besonderer Probleme und Belastungen“ und „CIRS-Meldungen“ über „Beinahezwischenfälle“, insgesamt 17 Dokumente vor allem aus der allerjüngsten Zeit sind das. In einem davon steht der zugleich erleichtert und resigniert klingendem Satz „An diesem Tag kam es zu keinem tödlichen Zwischenfall“, nämlich auf der Neugeborenen-Intensivstation.

„Geschäftsführung unterschätzt Risken“
So wie natürlich bei den Spitzenleistungen in der KUK ist jede einzelne diese Situationsmeldungen einen Krone-Bericht wert. Sie dürften ohnehin nur die Spitze eines Eisbergs unbekannter Größe sein, weil diese Eingaben von manchen Vorgesetzen nicht gerne gesehen werden. Zentralbetriebsrat Freudenthaler fasst die Lage in dem Schreiben an Haberlander und die anderen 16 KUK-Aufsichtsräte, darunter Politiker aller Parteien, so zusammen: „Abschließend halte ich noch einmal fest, dass die Geschäftsführung meiner Meinung nach die Risiken in den Bereichen OPKO 5 (der OP-Bereich für Gyn, Geburtshilfe und Kinderchirurgie), NICU (Neugeborenenintensiv) und Kreißzimmer unterschätzt. In den genannten Bereichen sind die Personalressourcen (es fehlt ein Wort, aber gemeint kann nur “gering, eng, knapp„ sein) und die zu erwartende Arbeitsdichte/Zeitdruck dermaßen groß, dass das Fehler-Risiko praktisch permanent hoch ist.“

„Vorschläge von vor Ort ehestmöglich umsetzen“
Für all die erschreckend zu lesenden Probleme und Risken gibt es schon viele Lösungsvorschläge aus den betroffenen Bereichen. Allein, es fehlen die Taten. Freudenthaler: „Ich schlage daher dringend vor, die von den KollegInnen vor Ort ausgearbeiteten Vorschläge ehest möglich zur Umsetzung zu bringen.“ Sonst? „Es besteht ansonsten Gefahr für Mutter und Kind!“, so der Betriebsrat etwa zur Lage in den Kreißzimmern.

Die Reaktion der KUK-Geschäftsführung
Unter der irreführenden Behauptung, die beiden Zentralbetriebsräte und Aufsichtsratsmitglieder Freudenthaler und Novakovic selbst hätten die Darstellung aus dem Inneren des-Uniklinikums an die „Krone“, also die Öffentlichkeit, gebracht, reagiert die Geschäftsführung des KUK so: „Es wird festgehalten, dass die aufgezeigten Themen in der Sitzung des Aufsichtsrats am 18.12.2018 eingehend erörtert wurden. Dieser hat darin klar festgestellt, dass weder ein Organisationsverschulden vorliegt noch Patientinnen und Patienten zu Schaden gekommen sind.“ Es wird weiteres festgestellt, „dass im Kepler Universitätsklinikum die behördlichen Vorgaben zur Personalberechnung eingehalten werden und in manchen Bereichen sogar darüber liegen.“

„Qualitätszertifiziertes Fehlermeldesystem“
Weiters verweist die Geschäftsführung des KUK auf das im Uniklinikum seit Jahren praktizierte „Fehlermeldesystem“ (das uns bisher nur als Meldesystem für „Beinahefehler“ bekannt war): "Die Tätigkeit in einem Krankenhaus, insbesondere in Bereichen, wo der Zeitfaktor und das rasche Handeln oftmals für den Patienten eine Überlebensfrage darstellt, stellt an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders hohe Ansprüche. Seit vielen Jahren steht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein qualitätszertifiziertes Fehlermeldesystem zur Verfügung, in welchem individuelle Arbeitssituationen beschrieben werden können. Diese Meldungen werden vom unmittelbar zuständigen Vorgesetzten oder von ausgebildeten Risikomanagern bearbeitet. Ziel ist es, dadurch mögliche Fehlerquellen aufzuzeigen, daraus zu lernen und in Zukunft zu vermeiden.“

Auch Mitarbeiterbrief der KUK-Chefs erging
Die KUK-Geschäftsführer Heinz Brock (Medizin) und Elgin Drda (Personal, Finanzen) schrieben aufgrund des „Krone“-Berichts noch am Samstag einen Brief an die Mitarbeiter des Uniklinikums. Darin heißt es unter anderem: „ Es ist uns ein Anliegen Ihnen zu versichern, dass wir derartige Hinweise aus den Reihen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr ernst nehmen. Dazu wurden bereits viele Maßnahmen gemeinsam mit den MitarbeiterInnen besprochen und umgesetzt. Wir sind weiterhin bemüht mit allen verfügbaren Mitteln, die Arbeitssituation der betroffenen Bereiche zu verbessern und werden weiterhin gemeinsam mit ihnen, an Lösungsmöglichkeiten arbeiten…….“ Drda ergänzt gegenüber der „Krone“ noch: „Wir nehmen die Sorgen und Anliegen unserer Mitarbeiter sehr ernst.“ Brock betont insbesondere, dass aufgrund von Personalproblemen kein Patient tatsächlich zu Schaden gekommen sei.

Was ÖVP-Politikerin Haberlander sagt
LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) ist Vorsitzende des großen Aufsichtsrates des Kepler Universitätsklinikums. Sie sagt einerseits: „Mir ist wichtig, wenn es Sorgenfälle und Anmerkungen und Problemlagen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gibt, dass die auch ernstgenommen und aufgearbeitet werden. Und wir haben auch vereinbart, dass die Situationsmeldungen und diese Sorgendarstellungen vom Betriebsrat an die Geschäftsführung kommuniziert werden, diskutiert werden und gemeinsam behandelt werden.“ Im Aufsichtsrat (am 18. Dezember) sei aber auch festgehalten worden, so Haberlander, „dass dieser Vorwurf des Organisationsverschuldens (vom Betriebsrat an der Geschäftsführung) nicht aufrecht erhalten wird. Und einvernehmlich festgestellt, dass sich kein Handlungsbedarf für den Aufsichtsrat ergibt.“

Werner Pöchinger, Kronen Zeitung

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