Kraft-Demonstration

Taliban-Großangriff auf die Innenstadt von Kabul

Ausland
18.01.2010 11:38
Die radikal-islamischen Taliban haben am Montag einen koordinierten Angriff auf die Innenstadt der afghanischen Hauptstadt Kabul verübt. Zwei der rund 20 Selbstmordattentäter sind bis zum Präsidentenpalast vorgedrungen und haben sich dort in die Luft gesprengt. Im Regierungsviertel gab es zahlreiche weitere Explosionen und Schießereien vor Ministerien und Einkaufszentren. Nach offiziellen Angaben starben sieben Aufständische, vier Sicherheitskräfte und ein Kind.

Das Attentat vor dem Präsidentenpalast löste in dem massiv abgesicherten Viertel ein schweres Gefecht aus, bei dem auch Maschinengewehre eingesetzt wurden. Die Aufständischen kamen in einem gepanzerten Fahrzeug, das sie den afghanischen Truppen wenige Tage zuvor gestohlen hatten.

"Es ist völlig chaotisch, wir wissen nicht, was wir tun sollen und wo wir hin sollen", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters ein Regierungs-Mitarbeiter, der in einem Gebäude in der Nähe des Präsidentenpalastes eingeschlossen war. Während der Kämpfe sei in der Nähe des Palastes eine mächtige Explosion zu hören gewesen.

Laut dem Fernsehsender Tolo soll sich auch vor einem Einkaufszentrum in der Nähe des Außenministeriums ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und mehrere Menschen mit in den Tod gerissen haben. Bei den weiteren Explosionen seien ebenfalls Selbstmordattentäter am Werk gewesen. Die offiziellen Zahlen über Todesopfer sind demnach nur wenig glaubhaft.

Diplomaten, Reporter und Zivilisten als Ziele
Der Garten des Serena Hotels, Afghanistans einziges Fünf-Sterne-Hotel, wurde von den Taliban mit Raketen angegriffen. In dem Hotel steigen zahlreiche westliche Diplomaten und Journalisten ab. Die Gäste seien zu ihrer eigenen Sicherheit in den Keller des Hotels gebracht worden, berichtete ein Gast der Agentur Reuters.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, dass Dutzende Verletzte ins Krankenhaus gebracht worden seien. Es handle sich dabei größtenteils um Zivilisten, aber auch um Sicherheitspersonal. Laut offiziellen Angaben hat das Militär zwei "Märtyrer" erschossen, bevor sie ihre Sprengstoff-Westen zünden konnten.

Großangriff soll Stärke der Taliban demonstrieren
Die Taliban hatten nach eigenen Angaben in der Früh mit dem Angriff auf zentrale Gebäude Kabuls begonnen. Die Ziele der 20 Selbstmordattentäter und ihrer mit Schnellfeuergewehren ausgestatteten Helfer seien unter anderem der Palast von Präsident Hamid Karzai und das Finanz- und Justizministerium, kündigte ein Taliban-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AFP an. 

Inmitten der von den USA und der NATO angekündigten Verstärkungen der internationalen Truppen in Afghanistan demonstriert der Angriff die Fähigkeit der Taliban, auch schwerste Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt zu überwinden. 

Kabuler Einwohner, die die Kämpfe beobachteten, reagierten besorgt. "Wir sind in Sorge und so enttäuscht über die Sicherheit in der Hauptstadt", sagte der 25-jährige Ladenbesitzer Mohammed Hussain. Zehntausende Soldaten würden nach Afghanistan geschickt, und trotzdem nehme die Sicherheit in der Hauptstadt ab.

Karzai vereidigte unweit der Gefechte neue Minister
Präsident Hamid Karzai, der am Montag nur einen Steinwurf vom Anschlagsort entfernt neue Mitglieder seines Kabinetts vereidigte, verurteilte den Angriff. In einem von seinem Büro verbreiteten Statement versicherte er den Bürgern von Kabul, die Stadt sei unter der Kontrolle der Sicherheitskräfte. Auch die USA verurteilten die Attacke. Der US-Beauftragte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, sagte, hinter dem Angriff stünden Mitglieder extremistischer Taliban-Gruppen, die im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aktiv seien. "Das sind verzweifelte Leute, sie sind skrupellos", erklärte Holbrooke. "Die Täter werden den Angriff weder überleben noch Erfolg haben. Aber diese Art Dinge ist noch öfter zu erwarten", so der US-Beauftragte.

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