"Die öffentliche Sicherheit war gefährdet und ein Experimentieren in Ruhe nicht mehr gegeben", zitierte ein Polizist in Sölden ein Schreiben der Wissenschaftler. "Die Zelte werden abgebrochen", erklärte der Beamte.
"Ein Erfolg für uns Tierschützer", freute sich der Steirer Niki Kulmer von der "TierWeGe". 30 von ihnen demonstrierten in der Ötztaler Tourismusgemeinde Sölden. "Die Touristen waren sehr schockiert, als wir ihnen erzählten, was hier vor sich geht", sagte Johanna Stadler von "Vier Pfoten", die ebenfalls bei der Aktion dabei war. Dass nun alles beendet sein soll, will sie nicht so recht glauben: "Solange wir das nicht schriftlich haben, bleiben wir da!"
Die Tierschützer begannen nach der Demo mit der Suche nach den verbliebenen 19 Versuchstieren. Sie sollen im Gnadenhof in Lochen (OÖ) untergebracht werden. Zehn Schweine waren seit Beginn der Woche in den Schneemassen umgekommen. "Vier Pfoten" hat Strafanzeige gegen die Beteiligten und den Wissenschaftsminister erstattet – wegen Tierquälerei.
Forscher überrascht, aber nicht geknickt
Als "einen großen Verlust für das Projekt" bezeichnete der Studienleiter Peter Paal von der Medizinischen Universität Innsbruck den Abbruch. Lediglich ein Drittel der Studie habe durchgeführt werden können, sagte er.
Die Wissenschaftler haben sich nach dem Abbruch "überrascht, aber nicht geknickt" gezeigt. "Der Rummel ist nachvollziehbar, aber auch naiv und bizarr, weil jeden Tag an vielen Orten Tierversuche stattfinden", erklärte Studienleiter Peter Paal. Der Unterschied bei diesem Projekt sei gewesen, dass man nach außen gegangen war und die Studien nicht im Labor oder Tier-OP-Sälen durchgeführt habe.
Ansonst hätte es mit Sicherheit keine öffentliche Reaktion gegeben. "Wir hätten aber die Aussagekraft der Studie infrage gestellt und wir hätten vor allem mehr Versuchsreihen gebraucht", waren sich Paal von der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck und Hermann Brugger, Leiter des Zentrum für Notfallmedizin Bozen, einig.
Der Ort, Vent bei Sölden, sei so ausgefallen gewesen, dass die Medien darauf aufmerksam wurden. Paal zeigte sich überrascht, dass ein Projekt, das von allen Seiten genehmigt sei, durch "derartige Widrigkeiten in die Knie gezwungen wird".
So sollten die Versuche ablaufen
Bei den Tieren handelt es sich laut der Innsbrucker Meduni ausschließlich um Schlachtschweine. Im Vorfeld wurden den Schweinen Messgeräte implantiert, die Blutdruck, Herzfunktion, Atmung und Kreislauffunktion aufzeichnen. Zwei Wochen lang sollten dann Tag für Tag zwei lebendige Schweine in den Schneemassen vergraben werden – um sie langsam ersticken zu lassen.
Erwartet wurden neue Erkenntnisse über die Todesursache eines Lawinenopfers. Erstickt man oder erliegt man einem Kreislaufversagen?
von Christoph Rauth (tirol.krone.at) und Philipp Neuner (Tiroler Krone)
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.