30.10.2018 18:07 |

Opferzahl gestiegen

Tote, Vermisste, Verletzte bei Unwetter in Italien

Traurige Zwischenbilanz nach den schweren Unwettern mit starken Regenfällen und Sturmböen in Italien: Seit Montag kamen mindestens elf Menschen ums Leben, eine Person wird noch vermisst, Dutzende weitere sind verletzt. Bereits am Sonntag waren wegen des schlechten Wetters mindestens fünf Menschen gestorben.

Am Dienstagnachmittag wurde die Leiche eines 61-Jährigen aus Falcade in der Dolomiten-Provinz Belluno geborgen. Sein Auto war mit laufendem Motor und offenen Türen unweit eines Flusses gefunden worden, der wegen der schweren Niederschläge der vergangenen Tage über die Ufer getreten war. Es handelt sich um das zweite Todesopfer in der Provinz Belluno seit Beginn der schweren Unwetter, die seit Sonntag Italien in Atem halten. Schon am Sonntag waren mindestens fünf Menschen gestorben.

Schiff von Ex-Premier Berlusconi zerstört
Besonders schwierig war am Dienstag die Lage im Trentino und in Ligurien. Im Küstenort Rapallo, rund 30 Kilometer südöstlich von Genua, riss der Sturm Luxusjachten los und ließ sie stranden. Die Hälfte der rund 400 Jachten, die im touristischen Hafen in Rapallo vor Anker lagen, wurde zerstört, zu ihnen zählte auch ein Schiff von Ex-Premier Silvio Berlusconi. „Zehn Meter hohe Wellen haben stundenlang unsere Gegend heimgesucht. Ein Damm, der den Hafen schützte, wurde zum Teil zerstört“, berichteten die Behörden.

Alle Flüsse Norditaliens standen unter Beobachtung. Der Pegel des Po stieg innerhalb von 48 Stunden um fünf Meter. Nach extremer Dürre im September gilt ganz Norditalien als besonders von Überschwemmungen bedroht, weil der harte und ausgetrocknete Boden das Wasser nicht aufnimmt.

180 Personen sitzen seit Tagen am Stilfser Joch fest
Rund 180 Personen, unter ihnen Touristen und Personal von Hotels, sitzen seit Samstag am Stilfser Joch, dem Gebirgspass in den Ortler-Alpen zwischen der Lombardei und Südtirol, fest. Wegen eines heftigen Schneesturms sind alle drei Zugangsstraßen zum Pass unterbrochen. Tot aufgefunden wurde eine Frau, die nach einem Erdrutsch in Dimaro im Trentino als vermisst gemeldet worden war. Ihr Haus war von der Mure weggerissen worden. In Dimaro trat ein Wildbach über die Ufer, 200 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Im Trentino bleiben auch am Mittwoch die Schulen geschlossen.

Dorf in den Dolomiten vom Rest der Welt abgeschnitten
Die Dolomiten-Bergortschaft Plodn ist seit Montag vom Rest der Welt abgeschnitten. Eine zur Gemeinde führende Straße war wegen eines Erdrutsches unterbrochen, eine zweite wurde wegen der Gefahr einstürzender Bäume geschlossen. In der Provinz Belluno wird eine Person vermisst. Die Stromversorgung wurde unterbrochen, Gebäude entlang des Piave wurden beschädigt. Rund 20.000 Haushalte waren in der Provinz Udine ohne Strom.

Hunderte Millionen Euro Schaden
Der Markusplatz in Venedig steht nach heftigen Regenfällen weiterhin unter Wasser, doch die Lage entschärft sich allmählich. Erhebliche Auswirkungen wurden aus der Region Venetien gemeldet. „Die Schäden betragen Hunderte Millionen Euro“, klagte der Präsident der Region, Luca Zaia. In der Region um Brindisi fegte ein Tornado über das Land und zerstörte Olivenhaine. In Kalabrien traten Flüsse über die Ufer und überschwemmten Treibhäuser sowie Felder mit Orangenbäumen.

Auch in der Hauptstadt Rom gab es weiter schwere Niederschläge und starken Wind. Bäume stürzten auf Autos und zertrümmerten sie. Die Schlechtwetterfront lähmte das Land von Nord bis Süd.

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