Mi, 14. November 2018

Unter Hebammen-Protest

25.10.2018 12:36

Vater für Abschiebung aus Kreißsaal geholt

Eine umstrittene Abschiebung beschäftigt derzeit unsere deutschen Nachbarn: Im Bundesland Thüringen holte die Polizei einen Asylwerber aus einem Kreißsaal, in dem seine Partnerin gerade in den Wehen lag. Die Beamten brachten den Mann, der von der Elfenbeinküste stammt, von dort direkt zum Flughafen. Die Hebammen konnten schließlich verhindern, dass der Familienvater außer Landes gebracht wurde, ohne sein neugeborenes Kind zu sehen.

Der Asylwerber wollte bei der Geburt seines Kindes anwesend sein und seine Frau unterstützen, berichten Medien. Doch was wohl einer der schönsten Augenblicke im Leben des Paares werden sollte, entwickelte sich schließlich zu einen Albtraum für die werdende Mutter.

Acht Polizisten klingelten am 10. Oktober mitten in der Nacht an der Tür zum Kreißsaal in Saalfeld. Der werdende Vater Samuel saß gerade neben seiner Frau, bei der schon die Wehen eingesetzt hatten, als er von den Beamten und einem Mitarbeiter der Ausländerbehörde abgeführt und zum Flughafen nach Frankfurt gebracht wurde. Er sollte, wie die „Thüringer Allgemeine“ berichtet, gemäß Dubliner Abkommen nach Italien abgeschoben werden.

Doch die Hebammen protestierten gegen die Maßnahme: Die Abschiebung wurde nach einem Anruf bei den Behörden gestoppt. Der Mann konnte in den Kreißsaal zurückkehren.

Der Flüchtlingsrat Thüringen machte auf den Vorfall aufmerksam, der auch vom Spital bestätigt wurde.

Behörde dementiert Familienverhältnis
Die Ausländerbehörde zeigte in einer Stellungnahme kein Mitgefühl für die besonderen Umstände während der Abschiebung: „Dass in diesem Fall das Datum auf den konkreten Termin der Niederkunft der Frau fiel, war nicht abzusehen. Die Mitarbeiter der Ausländerbehörde stehen bei Abschiebungen und Überstellungen unter erheblichem Druck.“ Eine Entschuldigung blieb aus. Eine Schwangerschaft sei kein Hindernis für eine Rückführung, „ein familiäres Verhältnis besteht nach deutschem Recht nicht“.

Die Caritas bestritt dies laut „Thüringer Allgemeinen“: Die beiden seien verheiratet gewesen, der Vater habe das Kind auch anerkannt. Das Abschiebeverfahren sei für das Paar mittlerweile ausgesetzt und für das Neugeborene ein Asylantrag gestellt worden.

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