Mi, 21. November 2018

Ehefrau 2010 getötet

24.10.2018 16:14

Mörder verrät für Xbox, wo er die Leiche vergrub

Nach acht Jahren ist das Rätsel um das einsame Grab von Venus Stewart, einer beim Holen der Post verschwundenen US-Amerikanerin, gelöst. Ihr damals getrennt von ihr lebender Ehemann Doug Stewart (37), der für die Tat bereits im Gefängnis sitzt, hat den Mord nun öffentlich gestanden und Details sowie den Ort, wo er seine Frau verscharrt hatte, preisgegeben - im Austausch für eine Xbox und weitere Haftprivilegien.

Venus Stewart verschwand am 26. April 2010, als sie beim Haus ihrer Eltern nach der Post schauen wollte. Wie ihr Ehemann Douglas Harris Stewart jetzt schilderte, hatte er sie an dem Tag aus dem Haus gelockt. Denn Venus hatte ihn mit den zwei gemeinsamen Kindern verlassen und war von Newport News im US-Bundesstaat Virgina zu ihren Eltern nach Colon, Michigan, geflüchtet. Sie warf ihm vor, gewalttätig zu sein - gegen sie und die Kinder.

Zwei Jahre zuvor hatte es eine einstweilige Verfügung gegen den 37-Jährigen gegeben, weil die Ehefrau „Todesängste“ ausgestanden habe. Ihr Ehemann sei brutal und habe ihr angedroht, ihr die Kinder wegzunehmen. „Jeden Tag lebe ich in der ständigen Angst, dass er auftaucht“, stand in einem damaligen Polizeibericht. Eine Versöhnung des Paares fruchtete nicht, Venus nahm ihre Kinder und ging - was den Startschuss für den Mordplan bedeutete.

„So lange die Luft abgedrückt, bis sie zusammengesackt ist“
„Ich weiß nicht, was ich tat, ich war wie auf einer Mission“, erzählte Stewart nun dem Lokalsender WWMT. Er fuhr an besagtem Tag zum Haus der Schwiegereltern und legte sich auf die Lauer. Mit verstellter Stimme und einem Wertkartenhandy rief er an und gab an, dass eine Postsendung abzuholen sei. Als seine Frau aus dem Haus gekommen sei, sei er über sie hergefallen und habe ihr so lange die Luft abgedrückt, bis sie in sich zusammengesackt sei. Dann habe er sie in einen Wald in der Nähe von Fulton gebracht, wo sie wieder zu Bewusstsein gekommen sei. Er habe sie schlussendlich dort getötet und verscharrt.

Mann angeheuert, um Anwesenheit vorzugaukeln
Obwohl Stewart beteuerte, dass es nicht sein Plan gewesen sei, seine Frau zu töten, hatte er zuvor zugegeben, bereits Stunden vor der Tat den Platz ausgekundschaftet zu haben, wo sie schließlich vergraben wurde. Zudem kaufte er einen Tag vor dem Mord einen Hut, eine Schaufel und Handschuhe. Doch der erdrückendste Beweis für die Kaltblütigkeit des Planes ist wohl folgender: Über Xbox Live lernte Douglas einen Mann kennen, der ihm während seines Aufenthaltes in Michigan ein Alibi verschaffen sollte: Ein 21-Jähriger habe seine Kleidung getragen, in seinem Apartment gewohnt und sogar seine Kreditkarten benutzt, um seine Anwesenheit vorzugaukeln.

„Ich wollte meiner Familie endlich die Wahrheit sagen“
Douglas Stewart wurde anhand der vielen Indizien wegen des Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, leugnete aber bis jetzt, etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben. Das Umdenken habe zu Weihnachten 2017 eingesetzt, erzählte er: „Ich habe einen Punkt erreicht, an dem ich meiner Familie endlich die Wahrheit sagen wollte.“ Dann sei es nur noch um die „Rahmenbedingungen“ des Geständnisses gegangen. Mit den Ermittlern handelte der 37-Jährige einen Deal aus: eine Xbox und weitere Privilegien für die Informationen rund um den Mord inklusive des Ortes, an dem die Leiche vergraben lag.

Für die Hafterleichterungen verriet Douglas Stewart den Beamten, dass er den genauen Ort mit Holzpflöcken markiert habe - und führte die Ermittler auch persönlich zu der Stelle, wo Venus Stewart für acht Jahre ihr einsames Grab gefunden hatte. Kurz darauf stießen die Forensiker im Beisein Stewarts auf die Leiche. Eine Untersuchung ergab inzwischen, dass es sich bei dem gefundenen Körper tatsächlich um die 2010 verschwundene Venus Stewart handelt.

Kritik an Ermittlern wegen Deal mit Mörder
Die Erleichterung ist nun groß, die Familie des Opfers kann Frieden finden. Allerdings gibt es auch Kritik, dass die Ermittler auf den Deal eingegangen waren.

„Mussten das tun, um den Fall endlich abschließen zu können“
Die Michigan State Police verteidigte den Deal mit der Sorge um die Familie des Opfers: „Unsere Hoffnung war immer, Venus Stewart ein ordentliches Begräbnis und der Familie einen Abschluss zu ermöglichen“, so Detective Chuck Christensen. „Wir hatten den Eindruck, wir mussten das tun, um den Fall endlich abschließen zu können.“

An Stewarts lebenslanger Haft ändern das Geständnis und die Zusammenarbeit mit den Ermittlern nichts. Er darf aber die Xbox ohne Internet benutzen und bekam unter anderem die Erlaubnis, zum Begräbnis seiner Eltern Freigang zu erhalten. 

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler

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