Di, 18. Dezember 2018

An der Grabstätte

10.10.2018 18:20

Versöhnung zwischen Haiders Witwe und Strache

Zehn Jahre nach dem Tod Jörg Haiders haben sich am Mittwoch seine Witwe Claudia und der nunmehrige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei einem Festakt an der Grabstätte Haiders im Kärntner Bärental versöhnt. Haiders BZÖ-Mitstreiter Gerald Grosz verlieh dem Vizekanzler die „Jörg-Haider-Medaille“, anschließend pflanzten Witwe und Vizekanzler gemeinsam einen Baum.

Rund 100 Personen hatten sich bei der kleinen Kirche im Bärental zusammengefunden, um der Zeremonie beizuwohnen. Nach einer Kranzniederlegung am Grab Haiders durch Strache begann die Feierstunde. Claudia Haider als „Hausherrin“ begrüßte die Gäste mit einem kräftigen „Waidmannsheil“. Anschließend überreichte sie „dem lieben Heinz-Christian“ ein Geschenk für dessen Ehefrau Philippa. Man sei hier zusammengekommen, um Brücken zu bauen, meinte sie in Anspielung auf die früheren Differenzen zwischen ihrem Mann und Strache. Auch Grosz sprach das „ambivalente Verhältnis“ zwischen Strache und Haider an, das einige Tage vor Haiders Tod bereinigt worden sei.

Haider als „Gigant der Republik“
Neben Strache erhielt auch der ehemalige FPÖ-Vizekanzler Herbert Haupt die Medaille, die „für Verdienste um die politische Erneuerung“ verliehen wird, von Claudia Haider überreicht. Haiders Prophezeiungen, für die er bekämpft und geliebt worden sei, hätten sich „schmerzhaft erfüllt“, sagte Grosz in seiner Laudatio für die beiden Medaillenträger. Seine politischen Forderungen seien heute in allen politischen Lagern und Programmen zu finden. Es stehe außer Zweifel, dass er seiner Zeit voraus gewesen sei. Grosz bezeichnete Haider als „Giganten der Republik“.

Strache erklärte in seiner Dankesrede, es sei für ihn eine „große Ehre und Freude“, er bedanke sich - auch im Namen von Herbert Haupt - für die Verleihung. „Es ist ja auch für mich keine Selbstverständlichkeit.“ Haider sei eine Ausnahmepersönlichkeit gewesen, er habe mit seinen Leistungen vor allem in den 80er-Jahren gezeigt, dass man „den rot-schwarzen Filz aufbrechen“ könne.

Persönliche Entschuldigung an Haiders Witwe
Als Haider 1986 die FPÖ übernommen habe, sei die FPÖ bei drei Prozent gelegen. Keiner habe damals geglaubt, dass diese FPÖ eine Überlebenschance habe. „Haider hat alle eines Besseren belehrt, ist immer gegen den Strom geschwommen und hat einen Wahlsieg nach dem anderen errungen.“ Zugleich sei er immer auf die Menschen zugegangen. Zum Zerwürfnis mit der Gründung des BZÖ sagte Strache: „Für mich war es eine zutiefst emotionale Enttäuschung, als Haider sich von der freiheitlichen Familie abgewandt hat. Natürlich haben wir uns da auch unfreundliche Sachen gesagt.“ Das tue ihm leid und er würde es gerne rückgängig machen, so der Vizekanzler. An Claudia Haider gewandt, meinte er: „Ich möchte mich auch bei der Familie entschuldigen, falls ich da und dort etwas gesagt habe, das sie beleidigt haben könnte.“

Während der Feier riss der Zustrom an Gästen nicht ab, die am anschließenden Gottesdienst teilnehmen wollten. Laut Polizei waren bis 18 Uhr, dem Beginn der vom emeritierten oberösterreichischen Bischof Maximilian Aichern gehaltenen Messe, mehr als 300 Menschen gekommen.

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