Nach Tsunami

Helferin in Indonesien: „Das Leid ist schrecklich“

Oberösterreich
04.10.2018 05:30
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mindestens 1400 Menschen kamen durch eine Serie von Erdbeben und die darauffolgende Flutwelle vergangenen Freitag in Indonesien ums Leben. Die gebürtige Linzerin und Caritas-Katastrophenhelferin Miriam Ebner befindet sich im Krisengebiet, um die Betroffenen zu unterstützen. Die Lage ist weiter heikel!

„Krone“: Seit wann befinden Sie sich im Krisengebiet?
 Miriam Ebner: Ich bin am Mittwoch in der Stadt Makassar gelandet, im Flugzeug bin ich mit vielen staatlichen Helfern gesessen. Polizisten, Feuerwehrleute - die Bereitschaft zum Helfen ist groß.

Wie ist die Lage vor Ort?
 Das Leid der Menschen mit anzusehen ist schrecklich! Das Ausmaß des Unglücks ist schlimmer als befürchtet, die Zahl der Opfer steigt täglich, die Existenz unzähliger Indonesier ist zerstört. Es gibt immer noch Nachbeben, die lösen jedes Mal eine riesen Panik unter den Menschen aus. Vor allem Kinder, die die Naturkatastrophe bewusst miterleben mussten, sind extrem schwer traumatisiert.

Also müssen die Menschen weiterhin Angst haben?
 Die stärkste Folge des Erdbebens sind neben dem Tsunami jetzt so genannte Bodenverflüssigungen. Der Boden wird plötzlich weich wie Brei, dadurch entstehen riesige, bis zu drei Meter hohe Schlammlawinen, die Autos, Häuser und Menschen verschlucken und unter sich begraben.

Sie sind in Makassar. Verletzte aus Palu werden zu Ihnen gebracht und behandelt?
 Die Regierung will die Schwerverletzten auf der Insel herausfiltern, diese werden dann zu uns geflogen. Natürlich wollen aber auch andere Überlebende weg aus Palu, dadurch entsteht ein riesen Chaos am Flughafen. Eines der größten Probleme ist, dass Wasser und Lebensmittel schön langsam knapp werden, die Lage verschlechtert sich von Stunde zu Stunde.

Wie lange werden Sie in Makassar im Einsatz sein?
 Ich unterstütze hier die lokale Partnerorganisation der Caritas bei Koordinations- und Organisationsarbeiten. Heute oder morgen kann ich hoffentlich nach Palu fliegen, um direkt am Hauptort der Katastrophe zu helfen. Die Flugzeit beträgt etwa zwei Stunden. Zur Zeit ist dies auf Grund des Verkehrschaos und dem Durcheinander am Flughafen noch nicht möglich.

Wie lange haben Sie geplant im Land zu bleiben?
 Ich rechne mit den nächsten zwei Wochen.

Haben Sie schon öfter bei Katastrophen geholfen?
 Als Katastrophenhelferin war ich in Haiti beim Hurrikan Matthew, in Griechenland während der Flüchtlingskrise und vergangenes Jahr bei der Hungerkatastrophe in Kenia im Einsatz.

Ist das Ihr Traumjob?
 Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich Menschen in Not aktiv helfen kann und nicht zusehen muss.

Interview: Lisa Stockhammer/Kronen Zeitung

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