Josipovic vorne
Kroatien vor Stichwahl um das Präsidentenamt
Sein Herausforderer wird der Zagreber Bürgermeister Milan Bandic (54) sein. Der als Unabhängiger angetretene SDP-Dissident habe mit 14,8 Prozent den zweiten Platz errungen. Die regierende HDZ-Partei musste eine schwere Niederlage hinnehmen. Ihr Kandidat Andrija Hebrang (63) kam mit 12 Prozent der Stimmen nur auf den dritten Platz und schied aus dem Rennen um das Amt des Staatsoberhauptes aus.
Äußerst geringe Wahlbeteiligung
Die erste Wahlrunde ist auf sehr geringes Interesse gestoßen, teilte die Wahlkommission weiter mit. Nur 44 Prozent der 4,5 Millionen Wahlberechtigten hätten ihre Stimme abgegeben. Das sei ein negativer Rekord. "Die Bürger sind schrecklich von den Politikern enttäuscht", begründeten zahlreiche heimische Politikexperten dieses Ergebnis. Für den unabhängigen politischen Analytiker Davor Gjenero ist diese Entwicklung sogar "dramatisch".
Der im kommenden Februar aus dem Amt scheidende Staatspräsident Stjepan Mesic kündigte an, für einen der beiden Kandidaten eine Wahlempfehlung abzugeben. Der 75-jährige Mesic hatte nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren können.
Ohrfeige für die regierende HDZ
Dass Bandic es in die Stichwahl schaffte, ist eine Ohrfeige für die HDZ des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman (1990 - 1999). Doch auch dem Chef der Sozialdemokraten, Zoran Milanovic, kommt das Duell Josipovic-Bandic alles andere als gelegen. Der Zagreber Bürgermeister dürfte in der Stichwahl nämlich den Großteil der Stimmen der ausgeschiedenen Rechtskandidaten auf sich vereinen und Josipovic gefährlich nahe kommen.
Verliert dieser die Stichwahl gegen Bandic, der von Milanovic bei der Nominierung des SDP-Präsidentschaftskandidaten ausgebremst worden war, wäre ein Abschied des sozialdemokratischen Parteichefs wohl unvermeidlich. Bandic war wegen seiner eigenmächtigen Kandidatur die SDP-Mitgliedschaft entzogen worden.
Diplomaten erhoffen sich von dem neuen Präsidenten Unterstützung für die für den 2012 angestrebten EU-Beitritt Kroatiens notwendigen Reformen. Alle Favoriten haben sich für eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union ausgesprochen.
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