Sicherheits-Panne
Papst-Beschützer nach Vorfall in Mette zerknirscht
Susanna M. wurde nach dem Zwischenfall, den Medien weltweit als "Attacke" beschrieben, von der Vatikan-Polizei verhört und befindet sich seither in einer Nervenklinik. Die psychisch kranke Papst-Verehrerin wollte dem Kirchenoberhaupt nichts Böses, konnte aber in ihrem Wahn die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht einschätzen.
Es war das erste Mal in Benedikts fünfjähriger Amtszeit als Papst, dass ihm eine Person bei einer Sicherheitsübertretung tatsächlich so nahe kam, dass Körperkontakt bestand. Vor Susanna M.s Versuch in der Christmette 2008 war es 2007 einem Deutschen in Rom gelungen, auf das Dach des Papamobils zu springen.
Die Beschützer des Kirchenoberhauptes müssen sich am Tag danach unangenehme Fragen gefallen lassen. Wie war es möglich, dass die Frau, obwohl sie exakt dieselben Kleider wie vor einem Jahr trug, niemandem aufgefallen war? Fernsehbilder zeigten am Freitag, dass Sicherheitsleute teils von ganz hinten aus dem Petersdom nach vor zum Papst laufen mussten. Offenbar waren nur wenige Bodyguards in der Menschenmenge hinter der Absperrung platziert gewesen.
Vatikan wird Sicherheitsvorkehrungen evaluieren
Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi sagte am Freitag, der Vatikan werde seine Sicherheitsvorkehrungen eingehend überprüfen. Inmitten von Zehntausenden Gläubigen bei Messen und Audienzen könne die Sicherheit des 82-Jährigen selbstverständlich nicht hundertprozentig garantiert werden, erklärte Lombardi. Der Papst werde auch weiterhin keine "Mauer aus Sicherheitsleuten" um sich aufstellen lassen. Man wolle aber "aus den bisherigen Erfahrungen lernen".
Als sich Susanna M. vor einem Jahr auf den Papst stürzen wollte, hatte die vatikanische Justiz von einer Strafverfolgung abgesehen. Lombardi meinte damals, die Frau habe "keinen sehr gefährlichen Eindruck gemacht". Was mit der Papst-Verehrerin nach dem neuen Zwischenfall in der Christmette passieren wird, ist noch ungewiss.
Italienische Medien wiesen am Freitag auf die eher moderaten Sicherheitsvorkehrungen bei Papst-Messen in Rom hin. Für die Teilnahme an der Christmette im Petersdom braucht es zwar eine Eintrittskarte, die ist aber im Vorfeld ohne jegliche bürokratische Hindernisse zu erlangen. Ein Ausweis wird nicht verlangt. Beim Eingang müssen Besucher nur einen Metalldetektor passieren.
Segen "Urbi et Orbi" gespendet
Der Papst zeigte sich indes - wie schon bei der Messe am Donnerstag, die nach dem turbulenten Beginn ganz normal weitergefeiert wurde - auch am Freitag unbeschadet und unbeirrt von dem Zwischenfall. Benedikt XVI. spendete auf dem Petersplatz den mit einem Ablass der Sünden verbundenen apostolischen Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis).
Der Papst rief in seiner Weihnachtsbotschaft zu Solidarität und einem friedlichen Zusammenleben in der Welt auch in Zeiten der Krise auf. Vor Zehntausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom setzte sich das katholische Kirchenoberhaupt eindringlich dafür ein, die Logik der Gewalt und Rache aufzugeben und die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen zu achten. Das solidarische "Wir" der Kirche, der weltweiten Familie der Christen, könne der von Krisen gezeichneten Menschheit Hoffnung geben.
Der Papst rief auch zur Aufnahme von Flüchtlingen auf: Wer durch Hunger, Intoleranz oder die Zerstörung der Umwelt aus seiner Heimat vertrieben werde, müsse Aufnahme finden. In 65 Sprachen übermittelte er sodann den Menschen in aller Welt seine Weihnachtsgrüße. In deutscher Sprache sagte das Oberhaupt der Katholiken: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade. Sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"
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