Bei Christmette
Verwirrte Frau attackiert Papst im Petersdom
Der Fernsehsender Sky News brachte am Freitag Videoaufnahmen eines Amateurfilmers von dem Zwischenfall (siehe Clip oben). Sie zeigen, wie eine Frau mit roter Kapuzenjacke die Absperrung zum Mittelgang überspringt und auf den Papst zustürzt. Trotz der raschen Reaktion eines Sicherheitsbeamten bekommt sie den Papst am Kragen zu fassen und zieht ihn zu sich. Der 82-Jährige stürzt zu Boden, kann sich mit Unterstützung jedoch rasch wieder aufrichten und die Prozession zum Altar fortsetzen.
Obwohl er mehrere Meter entfernt war, stürzte auch Kardinal Etchegaray. Nach Angaben von Vatikansprecher Federico Lombardi erlitt der 87-Jährige einen Oberschenkelbruch.
Bereits zweiter Versuch, den Papst zu "umarmen"
Die offenbar geistig gestörte Frau wurde nach der Attacke von der Vatikan-Polizei festgenommen und verhört. Sie sagte aus, sie habe den Papst lediglich umarmen wollen. Laut Lombardi hatte die Frau bereits vor einem Jahr vergeblich versucht, während der Christmette die Absperrungen zu durchbrechen, um zum Papst zu gelangen.
Die Frau ist erst 25 Jahre alt und hat einen Schweizer und einen italienischen Pass. Sie sei inzwischen in Krankenhausbehandlung, sagte Lombardi am Freitag. Dem Papst gehe es gut. Kurienkardinal Etchegaray müsse operiert werden, aber auch ihm gehe es den Umständen entsprechend gut.
Die fünfte Christmette seit Beginn seines Pontifikats feierte Benedikt XVI. dann, als wäre nichts geschehen. In seiner Predigt warnte er vor dem Egoismus des Einzelnen und der Gruppen. "Der Streit in der Welt, die Unversöhnlichkeit miteinander" rührten daher, dass die Menschen in ihren eigenen Interessen, Wünschen und Meinungen gefangen seien, sagte er vor den Gläubigen im dichtbesetzten Petersdom. Tausende weitere Menschen verfolgten die Messe auf Videoleinwänden auf dem Petersplatz.
Mitternachtsmesse erstmals vorverlegt
Aus Rücksicht auf das Alter des Papstes war die traditionelle Mitternachtsmesse am Donnerstag erstmals in der Geschichte der Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan um zwei Stunden vorverlegt worden. Nach Angaben des Vatikan soll der 82-Jährige auf diese Weise während der anstrengenden Feiertage etwas mehr Ruhe und Schlaf bekommen. Sein im April 2005 im Alter von 84 Jahren verstorbener Vorgänger Johannes Paul II. hatte stets an der Tradition festgehalten, obwohl ihm die Mitternachtsmesse von Jahr zu Jahr sichtlich mehr zusetzte.
Segen "Urbi et Orbi" gespendet
Am Freitag hat Benedikt XVI. den mit einem Ablass der Sünden verbundenen apostolischen Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis) gespendet. Der Papst rief in seiner Weihnachtsbotschaft zu Solidarität und einem friedlichen Zusammenleben in der Welt auch in Zeiten der Krise auf. Vor Zehntausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom setzte sich das katholische Kirchenoberhaupt am Weihnachtstag eindringlich dafür ein, die Logik der Gewalt und Rache aufzugeben und die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen zu achten. Das solidarische "Wir" der Kirche, der weltweiten Familie der Christen, könne der von Krisen gezeichneten Menschheit Hoffnung geben.
Der Papst rief auch zur Aufnahme von Flüchtlingen auf: Wer durch Hunger, Intoleranz oder die Zerstörung der Umwelt aus seiner Heimat vertrieben werde, müsse Aufnahme finden. In 65 Sprachen übermittelte er sodann den Menschen in aller Welt seine Weihnachtsgrüße. In deutscher Sprache sagte das Oberhaupt der Katholiken: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade. Sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"
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