Fr, 21. September 2018

Vertrauenskrise

11.09.2018 07:50

„Keine Ahnung, ob Gerücht oder Fake News ...“

Mit diesem Hinweis hatte unlängst ein Mitarbeiter der „Kleinen Zeitung“ eine Nachricht aus der überschaubaren Wiener Politikszene verbreitet. Die auf Hörensagen basierende Neuigkeit sollte sich nicht einmal als falsch erweisen. Was ist aber davon zu halten, wenn Reporter ihren eigenen Storys nicht mehr trauen?

Zeitungsleute, die schreiben, dass sie in ahnungsloser Bereitschaft Gerüchte oder Fake News in die Welt setzen, fügen der Medienbranche erheblichen Schaden zu. Und das in einer gefährlich weit fortgeschrittenen Vertrauenskrise.

Diese oft von Ängsten getriebene Missgunst berührt viele Bereiche der Politik und Gesellschaft. Neues verblüfft und verunsichert. In solchen Phasen gibt es eine Sehnsucht nach Mitte und Stabilität. Es ist daher Vorsicht geboten, Umfragen als Vorboten eines Umschwungs zu sehen, sinnsuchende Genossen als Indiz für den nahen Untergang der Sozialdemokratie zu werten.

Schnell wird in der Politik einer zum Blödian erklärt, jede Nachdenkphase des Kanzlers zur Flucht vor der Verantwortung degradiert, jeder Freiheitliche zum Gudenus erklärt. Da braucht keiner überrascht sein, wenn Politiker ihre eigenen Nachrichtenkanäle graben, Regierung und Opposition sich so kritischer Kontrolle entziehen. Das führt nur zu Verwirrung. Da hat am Ende keiner mehr eine Ahnung, ob das, was für wahr gehalten werden soll, Fakten oder Produkte der politischen PR-Maschinerie sind.

Claus Pándi, Kronen Zeitung

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