Eurotunnel

Vier Züge blieben stecken – Betrieb ruht nun völlig

Ausland
19.12.2009 21:11
Bei extremer Kälte sind in der Nacht zum Samstag vier Eurostar-Züge mit mehr als 2.000 Fahrgästen im Tunnel unter dem Ärmelkanal liegen geblieben. Ein Großteil der Passagiere musste mit einem Shuttle aus zwei gestrandeten Zügen geborgen werden. Für die beiden anderen Eurostars mussten Ersatzlokomotiven her, die die Züge Richtung Südengland schoben. Mittlerweile wurde der Betrieb komplett eingestellt.

Jedes Risiko solle vermieden werden, erklärte die Betreibergesellschaft Eurostar am Samstag in Paris, deswegen ruhe der Betrieb nun komplett. In der Nacht auf Samstag hatten mehr als 2.000 Zugpassagiere im Tunnel unter dem Ärmelkanal verbringen müssen, weil die Lokomotiven von vier Zügen wegen der eisigen Kälte ausgefallen waren. 

Temperatursprung legt Elektrik lahm
Grund für die Panne war nach Angaben der Betreibergesellschaft ein großer Temperaturunterschied innerhalb und außerhalb des Tunnels. Als die Züge aus der eisigen Luft im Norden Frankreichs in den deutlich wärmeren Tunnel fuhren, verdampfte das gefrorene Wasser, das sich auf den Zügen gebildet hatte, kondensierte dann und legte so schließlich die Elektrik der Züge lahm. "Das ist noch nie vorgekommen", sagte ein Eurostar-Sprecher. 

Auch der Betreiber des Eurotunnels zeigte sich erstaunt. "Dass vier Eurostars zur selben Zeit liegenbleiben, hat es noch nicht gegeben", sagte John Keefe der BBC. "Noch nie musste ein Eurostar-Zug in den 15 Jahren seit Tunnelöffnung evakuiert werden. Und in der vergangenen Nacht mussten wir gleich zwei Züge evakuieren und die Leute rausholen."

In den gestrandeten Hochgeschwindigkeitszügen saßen jeweils mehr als 500 Menschen. Alle vier Züge waren auf dem Weg von Paris nach London. Für die Fahrgäste habe keine Gefahr bestanden, sagte Eurostar-Sprecher Grant Smith. In den Zügen gebe es eine batteriebetriebene Notbeleuchtung. "Die Leute sitzen nicht im Dunkeln fest."

"Es war ziemlich beängstigend"
Als die ersten gestrandeten Passagiere am Samstagvormittag London erreichten, wurden sie von wartenden Angehörigen mit Applaus empfangen. Unter ihnen war auch Lee Godfrey, der mit seiner Familie unterwegs war. "Wir waren ohne Strom. Uns sind das Wasser und das Essen ausgegangen. Und die Informationen des Personals waren ziemlich schlecht", sagte er der BBC. Kinder hätten auf den Gängen geschlafen. "Es war ziemlich beängstigend für Kinder und ältere Leute. Wir hatten eine Dame im Rollstuhl und eine Frau, die im siebten Monat schwanger war."

Die Eurostar-Züge verkehren zwischen London und Paris sowie London und Brüssel durch den Ärmelkanal-Tunnel. Die Verbindung zwischen London und Paris dauert zwei Stunden und 15 Minuten und eine Stunde und 51 Minuten zwischen der britischen Hauptstadt und Brüssel.

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