Mi, 19. September 2018

Volkskultur

02.09.2018 05:30

Beutestück: Tolle Knolle aus Amerika

Sie haben liebliche Namen wie Sieglinde, Selma und Annabelle und können auf viele köstliche Arten genossen werden - seit sie von Amerika zu uns gebracht worden sind: die Kartoffeln.

Heute sind die Kartoffeln neben Reis, Weizen und Mais längst eines der weltweit wichtigsten Grundnahrungsmittel, früher hat man sie in unserer Gegend lediglich den Schweinen verfüttert. Denn man musste sich erst an die neue, fremde, von weit her gereiste Knolle gewöhnen: Sie stammt aus Amerika, aus den Anden, die sich von Venezuela bis Chile erstrecken. Der Aconcagua ist mit 6962 Meter Höhe der höchste Gipfel des Gebirgszuges, auf dessen Hochebenen nichts wächst - außer der Kartoffel, die auch auf 4000 Meter Seehöhe noch angebaut wird. Die ältesten bekannten Spuren von Erdäpfeln sind 13.000 Jahre alt.

1492 legte Christoph Kolumbus mit seinen Schiffen in Amerika an, seine Leute brachten zahlreiche Pflanzen mit nach Europa: Tomaten, Bohnen, Paprika und Mais, spätestens 1562 wurden Kartoffel nach Spanien verschifft. Caspar Plautz, der Abt des Klosters Seitenstetten in Niederösterreich, verfasste bereits 1621 ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten. Maria Theresia befahl mancherorts den Anbau der Erdäpfel. Doch erst durch die Hungersnot 1772/1773 und durch die Napoleonischen Kriege wurden die Kartoffeln bekannt und beliebt. In den Notzeiten im 1. und 2. Weltkrieg wurden Erdäpfel sogar in öffentlichen Parks angebaut.

Bei uns nennt man die Kartoffel meist Erdapfel, auch Erdbirne, im Lungau Eachtling. Im Inkareich hießen sie „papa“, die Süßkartoffeln „batate“, die spanischen Eroberer vermischten die Begriffe zu „patata“, was heute noch im englischen „potato“ durchklingt. In Italien nannte man die Knolle wegen ihrer Ähnlichkeit zu Trüffeln „Tarathopholi“, was im Deutschen bald zu „Kartoffel“ wurde. Die französischen „pommes de terre“ sind wörtlich übersetzt unsere Erdäpfel.

Die Knollen fanden auf den Tisch, in die Kunst und in die Redensarten: „Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln“, heißt es oft abwertend, wenn jemand mit relativ geringem Aufwand viel erreicht. Erdäpfel werden weltweit auf gut 19 Millionen Hektar angebaut, um jährlich an die 380 Millionen Tonnen ernten zu können. Die größten Produzenten sind China, Indien, Russland und an 49. Stelle Österreich.

Im Mittelpunkt eines Festes steht die tolle Knolle am Sonntag (2. 9.) in Ludmannsdorf: Ab 9.30 Uhr wird eine Feldmesse gefeiert, um 10.30 Uhr das Fest eröffnet, ab Mittag locken Spezialitäten rund um die Kartoffel, Musik, Kinderprogramm und Einkaufsmöglichkeiten.

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Kärnten
Aktuelle Schlagzeilen
Duell mit Salzburg
„Bullen“-Kracher: Leipzig droht Spott und Häme
Fußball International
Gespräche mit „Wesen“
Bluttat in Wien: Hadishats Mörder wollte sterben
Österreich
Schilddrüse
Hitze lässt Knoten schrumpfen
Gesund & Fit
Rücktritt als SPÖ-Chef
„Vollholler“: Das sind die besten Kern-Zitate!
Österreich
Wollte die SPÖ retten
Christian Kern: Kurzzeit-Kanzler im Slimfit-Anzug
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.