Brände & Tränengas
Krawalle und 200 Festnahmen beim Klimagipfel
Am Mittwoch steht den wegen ihres harten Einsatzes vielfach kritisierten dänischen Sicherheitskräften eine neue Kraftprobe bevor: Militante Gruppen haben angekündigt, entgegen aller Verbote den Tagungsort des Gipfels stürmen zu wollen. Bis Montagabend war es nicht zu Krawallen im Umfeld des Gipfels gekommen. Dennoch hatte die Polizei seit Samstag bei mehreren Demonstrationen fast 1.500 Menschen festgenommen.
Der Klimagipfel wird am Dienstag mit neuen Verhandlungen zwischen Vertretern der Entwicklungsländer und der Industrienationen fortgesetzt. Die Umweltminister aus 192 Staaten beraten seit Wochenbeginn über ein globales Klimaschutzabkommen gegen den Temperaturanstieg durch Treibhausgase.
"Die Uhr tickt, wir haben nicht viel Zeit"
Unterdessen läuft den Gipfelteilnehmern die Zeit davon. "Zeit ist jetzt unser schlimmster Feind", hieß es am Montagabend aus Kreisen der Gipfelorganisatoren. Der britische Premierminister Gordon Brown warnte angesichts des Konflikts vor einer Spaltung der Staatengemeinschaft. "Die Uhr tickt, wir haben nicht viel Zeit", sagte auch US-Delegationsleiter Todd Stern.
Stern erwartete, dass die ab Mitte der Woche erwartete Ankunft von über 100 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen einen positiven Druck auf die Umweltminister und Delegationen ausüben werde. So kündigten am Montag die linksgerichteten Präsidenten Venezuelas und Boliviens, Hugo Chavez und Evo Morales, ihre Teilnahme am Klimagipfel an.
Entwicklungsländer blockierten Gespräche
Die Entwicklungsländer blockierten am Montag zeitweise die Verhandlungen, um die Industriestaaten zu ehrgeizigeren Zielen zu drängen. Nach einer mehrstündigen Unterbrechung kehrten die afrikanischen Delegationen erst am Nachmittag an den Verhandlungstisch zurück. Sie wollten durchsetzen, dass das Kyoto-Protokoll mit verbindlichen Klimazielen nur für die Industrieländer auch für die Zeit nach 2012 fortgeschrieben wird. Die Industriestaaten wollen dagegen ein umfassendes Abkommen, das auch die Schwellen- und Entwicklungsländer miteinbezieht. Schließlich ist China mittlerweile der größte Treibhausgas-Produzent der Welt.
Ein weiterer Streitpunkt sind die Ausgleichszahlungen der Industriestaaten für die Entwicklungsländer, damit diese die Folgen des Klimawandels bewältigen können. Die Entwicklungsstaaten kritisieren, dass ihnen bisher erst "Brotkrumen" angeboten worden seien. Zumindest bei Japan zeigte diese Kritik Wirkung. Tokio werde sein Angebot von 9,2 auf 10 Milliarden Dollar aufstocken, berichteten japanische Medien am Dienstag. Das Geld solle zwischen 2010 und 2012 ausgezahlt werden. Die EU offeriert bisher 3,5 Milliarden Dollar pro Jahr, während die USA noch überhaupt keine Summe genannt haben.
Mega-Eisberg vor Australien zerbrochen
Um gegen den schleppenden Fortgang der Kopenhagener Gespräche zu protestieren, erklommen fünf Greenpeace-Aktivisten am Dienstag die berühmte Oper von Sydney. Sie entrollten dort ein Spruchband, auf dem "Stop the Politics, Climate Treaty now" ("Schluss mit der Politik, Klimaabkommen jetzt") zu lesen war.
Westlich von Australien sandte der vorige Woche gesichtete gigantische Eisberg ebenfalls ein unmissverständliches Signal nach Kopenhagen: Vor einigen Tagen noch 140 Quadratkilometer groß, zerbrach der Eisberg "B17B" nach Angaben des Glaziologen Neal Young in Hunderte Teile, die nun die Schifffahrt auf einer Länge von 1.000 Kilometern gefährden.
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