Direktor Gotthard Schöpf fiel aus allen Wolken, als wegen der künstlichen Orchester-Verjüngungskur im Vorfeld des Wettbewerbs im Frühjahr sogar die Innsbrucker Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahm. "Eine Katastrophe für mich. Ich hatte Schlafstörungen und verlor fünf Kilo Gewicht. Durch das schwebende Verfahren stand meine berufliche Zukunft auf dem Spiel."
Seit Freitag schaut die Welt für ihn wieder besser aus: Denn da erhielt er ein Schreiben, dass die Ermittlungen eingestellt wurden. Damit könnte er sich jetzt wieder als Musikschulleiter bewerben, was bis jetzt nicht möglich war.
Seine fünfjährige Funktionsperiode endet im Februar 2010. Ob er sich noch einmal bewirbt, will er mit Reuttes Bürgermeister Helmut Wiesenegg abklären. "Eines ist sicher: Der Bezirk Reutte steht voll hinter Schöpf, auch wenn seine Tat nicht goutiert wird", sagt Wiesenegg. Bürgermeister, Pfarrer, Eltern, Schüler und die Kaufmannschaft Reutte hätten Schöpf im Wissen um dessen Fähigkeiten das Vertrauen ausgesprochen. Der Ball liegt nun beim Land als zuständige Dienstbehörde.
Kuriose Vorgeschichte
Als Direktor der Landesmusikschule hatte er im Frühjahr 35 Mitglieder seines 65-köpfigen Jugendblasorchesters auf dem Papier jünger gemacht als sie waren, um die Landeswertung zu gewinnen und beim Bundesbewerb antreten zu dürfen. Doch so weit kam es nicht: Der Schwindel flog auf, Disqualifikation war die Folge. "Ja, es war unfair, ein Fehler, und ich habe mich dafür entschuldigt", sagt Schöpf. "Es ist im Übereifer passiert, ich hätte alles absagen sollen. Ich war wohl zu ehrgeizig", sagt er selbstkritisch.
Die Landesmusikschule Reutte ist mit 45 Lehrern und 1400 Schülern eine der größten des Landes.
von Philipp Neuner, Tiroler Krone
Symbolbild
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