Fr, 21. September 2018

Spielemesse in Köln

20.08.2018 10:25

Level zehn erreicht: Die Gamescom feiert Jubiläum

Die Gamescom ist ein Ort, an dem sehr viel gleichzeitig passiert. Die Messehallen sind abgedunkelt, aber von grellen Bildschirmen durchzogen. Auf der einen Seite treffen sich beschlipste Fachbesucher, auf der anderen kostümierte Spielefans in den Fantasie-Outfits ihrer Lieblingshelden. Vor mancher Bühne hopsen Hunderte Menschen zu lauten Elektro-Beats, um kostenlose T-Shirts zu fangen. In den Schlangen vor den Blockbuster-Spielen warten andere ausgesprochen geduldig und stundenlang mit einem Campinghocker. Ähnliches dürfte sich abspielen, wenn die diesjährige Gamescom am Dienstag in Köln ihre Pforten öffnet. Bei all den knalligen Bildern, Neuheiten und Branchenzahlen schwingt heuer allerdings auch etwas mit, das der schnelllebigen Digitalszene recht fremd ist: ein Gefühl für Geschichte. Der Grund: ein Jubiläum. Es ist die zehnte Gamescom.

2009 öffnete die Video- und Computerspielmesse erstmals in Köln. Sie löste damals die Gamesconvention in Leipzig ab. Für die Stadt in Sachsen war es ein herber Schlag. In Köln sahen die Verantwortlichen des deutschen Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware - mittlerweile aufgegangen im Game, dem Verband der deutschen Games-Branche - bessere Perspektiven, dynamisch zu wachsen.

Heute kann man sich leicht verlaufen, wenn man die Gamescom besucht. Massiv gewachsen ist die Messe nämlich tatsächlich. „In so einer schnellen Branche kann man nie zehn Jahre vorausschauen. Aber wir hatten damals eine Vision“, sagt Tim Endres von der Koelnmesse, verantwortlich für die Gamescom. Er rechnet vor: „2009 sind wir mit rund 450 Ausstellern gestartet - in diesem Jahr werden wir die 1000-Aussteller-Marke knacken. Im vergangenen Jahr hatten wir 355.000 Besucher - im ersten waren es rund 245.000.“ Zudem sei die Messe sehr viel internationaler geworden.

„Mehr als eine Messe“
Die Gamescom ist Fachmesse und Event zugleich. Jenseits der nackten Zahlen zieht sie ihre Bedeutung daraus, eine Art Vergrößerungsglas für die Video- und Computerspielszene zu sein. Was vor 30 Jahren noch absolute Nische war, schwappt heute weit in den Mainstream, inklusive einer unüberblickbaren Zahl an Subkulturen. Es gibt Hardcore-Gamer und Gelegenheitsspieler, eine YouTube-Community und Rollenspieler, Retro-Fans aus den 80ern und nach neuem Technik-Schnickschnack gierende Bastler. All das soll eine einzige Messe abbilden. Die Gamescom nennt sich selbst das „weltweit größte Event für Computer- und Videospiele“ - mit Betonung auf Event. „Die Gamescom ist mehr als eine Messe geworden“, sagt Tim Endres.

2016 war sogar der altehrwürdige Kölner Dom Teil davon. Er blieb damals bis spätabends geöffnet und inszenierte sich mit einer Musik-und Lasershow. 2017 kam die Kanzlerin zur Eröffnung, was die Branche als „Ritterschlag“ feierte. Zu Zeiten der Killerspiel-Debatten vor einigen Jahren wäre so ein Besuch wohl undenkbar gewesen. Heuer wollen Land und Stadt zur Jubiläumsmesse das Rheinufer illuminieren. Die Spiele sind in der Gesellschaft angekommen.

Freizeitpark-Charakter
Die Kehrseite ist, dass die Gamescom seltener weltweite Schlagzeilen macht, wenn es um bahnbrechende Neuheiten geht. „Die Gamescom ist eine eindeutige Besuchermesse. Man muss also hin, wenn man etwas erleben will“, sagt Patrik Schönfeldt vom Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler. Wer zu Hause auf große Neuigkeiten wartet, für den sei bis jetzt etwa die E3 in Los Angeles wichtiger. 
In die endlosen Warteschlangen vor den Blockbuster-Spielen würde er sich im Übrigen auch nicht stellen, bekennt Schönfeldt. „Aber man kann es vielleicht mit einem Freizeitpark vergleichen, in dem man auch mal drei Stunden für eine Achterbahn ansteht“, erklärt er.

„Noch Luft“ nach oben
Die Frage ist, wo die Grenze des Freizeitparks Gamescom erreicht ist. Kann man auch zu groß werden? Was den Platz angeht, erst einmal nicht. Derzeit habe die Gamescom 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, sagt Tim Endres. Das Messegelände umfasse aber insgesamt 280.000 Quadratmeter. „Wir haben noch Luft.“

 krone.at
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