Gewaltherrschaft

Philippinen: Clan soll 200 Menschen getötet haben

Ausland
09.12.2009 10:46
Der Skandal um einen Clan, mit dessen Hilfe sich die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo die Macht in der südlichen Provinz Maguindanao sichern wollte, dehnt sich weiter aus. Die Ampatuan-Familie habe während ihrer Herrschaft mit ihrer Privatarmee mindestens 200 Menschen getötet, sagte die Vorsitzende des philippinischen Menschenrechtsrats, Leila de Lima. Dafür gebe es Zeugen, die sich erst nach dem Vorgehen der Regierung gegen den Clan getraut hätten auszusagen.

Zu den Zeugen zählen fünf Polizisten, erklärte de Lima am Mittwoch vor Journalisten. Wenn sie die Gelegenheit dazu bekämen, könnten sie den Behörden die Massengräber zeigen, in denen die Opfer der Gewaltherrschaft verscharrt worden seien. Den Mut für eine Aussage gegen die Ampatuan-Familie fanden die Zeugen laut de Lima, nachdem vergangene Woche Clan-Chef Andal Ampatuan Senior und weitere Mitglieder des Clans verhaftet worden waren.

Massaker auf Weg zu Wahlbüro
Die Festnahmen standen im Zusammenhang mit einem Massaker am 23. November, bei dem in Maguindanao 57 Menschen teilweise schwer misshandelt und anschließend regelrecht hingerichtet worden waren. Zu den Todesopfern zählen zahlreiche Journalisten und Frauen. Der philippinische Polizeichef Jesus Verzosa (Bild) sagte am Mittwoch, an dem Massaker seien mindestens 161 Menschen direkt beteiligt gewesen, gegen die nun ermittelt werde. Auch Polizisten und Soldaten gehörten zu den Tätern.

Unterstützer und Angehörige des Vizebürgermeisters von Buluan, Esmael Mangudadatu, waren in Begleitung von Journalisten auf dem Weg zu einem Wahlbüro gewesen, um Mangudadatus Kandidatur für die Gouverneurswahl im Mai 2010 einzureichen. Dies wollte der Ampatuan-Clan offenbar verhindern.

Kriegsrecht über Provinz verhängt
Drahtzieher der Tat soll ein Sohn des Clan-Chefs, Andal Ampatuan Junior, sein. Er wurde inhaftiert und wegen Mordes angeklagt. Danach brachte sich die Privatarmee der Familie in Stellung - Präsidentin Arroyo verhängte daraufhin das Kriegsrecht über Maguindanao. Sie hatte dem Ampatuan-Clan den Aufbau einer Privatarmee erlaubt, um den Unabhängigkeitskampf muslimischer Rebellen in der Provinz zu beenden.

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